Fr

26

Sep

2014

Wir sind wieder da!

Nach einer Mittagspause in Wien, ging es am Donauradweg weiter bis nach Linz. Und von dort aus über München und das Allgäu an den Bodensee.

Wir haben uns riesig gefreut in Bregenz den See wieder zu erblicken und vor allem uns abends darin zu baden. Es war zwar schon etwas kühl, aber danach waren wir herrlich sauber!

Unsere letzte nacht haben wir in Rohrschach am Seeufer verbracht, wo wir dann um halb 12 Uhr nachts vom schweizer Ordnungsamt aus dem Tiefschlaf gerissen und aufgefordert wurden zusammenzupacken und woanders zu nächtigen.

Wildcampen ist am gesamten Bodenseeufer nicht erwünscht: Auch nicht für eine Nacht.

Das war sehr ernüchternd, haben wir doch 5 Monate lang immer ein Plätzchen gefunden, wo wir willkommen waren.

Am Mittag den 20.09. war es dann soweit: Wir waren wieder in Konstanz!

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diese Reise machen konnten und gleichzeitig freuen wir uns wieder in der Heimat zu sein und genießen den Komfort von Bett und Dusche.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns auf dieser Tour unterstützt und begleitet haben. Es war großartig!

 

Anja - Müllheim, 26.09.2014

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Di

16

Sep

2014

Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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Mi

03

Sep

2014

Ukraine, Moldawien und Rumänien

Nach 3 Tagen Schifffahrt und Sträflingskost (Gut, ein paar Sachen waren in Ordnung, das Frühstück zum Beispiel) sind wir endlich in der Ukraine angekommen. In Odessa sind wir bei couchsurfern untergekommen, die uns auch gleich die Stadt gezeigt haben. Odessa ist super schön! Überall herrscht Urlaubsgefühl, in der Fußgängerzone sind Straßenmusiker, Essensstände und vor allem angenehme Temperaturen! Ja, es ist wirklich angenehm kühl geworden, so 25° vielleicht.

 

Weil uns mittlerweile so viele Leute darauf angesprochen haben: Man spürt überhaupt nicht, dass in dem Osten der Ukraine Krieg herrscht. In Odessa gab es keine Kampfhandlungen, nur vor 3 Monaten gab es eine Demonstration, die gewaltvoll endete. Unsere Gastgeberin meinte dazu nur: Das waren keine Leute aus Odessa, in Odessa sind alle glücklich, weil die Stadt am Meer liegt.

 

Einzig Plakate, die zu Spenden für die Armee aufrufen, und ein paar Panzer in der Grenzregion zu Moldawien und Transnistrien, erinnern an die politische Situation der Ukraine.

 

Uns hat es auf jeden Fall gut gefallen, wir sind viel rumgelaufen, haben Gebäude angeschaut und Kraft getankt.

 

 

 

Denn die nächsten Tage waren anstrengend. Wir haben uns mit Milans Freund Niklas in Brasov, Rumänien verabredet und mussten uns beeilen. Deshalb sind wir viel gefahren, meist etwa 120 km pro Tag. Die Landschaft hat uns hierbei aber geholfen, denn es ist relativ flach, sanft wellig vielleicht, nachdem wir von der Ukraine nach Moldawien eingereist sind. Den kleinen Staat haben wir von Ost nach West durchquert. In Moldawien sprechen die Menschen eine dem rumänischen sehr ähnliche Sprache, aber russisch wird auch noch verstanden.

 

 

 

Nach nur 3 Tagen in Moldawien sind wir dann nach Rumänien und damit zurück in die EU eingereist!

 

Die EU hat uns aber an dieser Grenze eher etwas verschlafen und alles andere als modern empfangen. Der Osten von Rumänien ist sehr ländlich geprägt und in manchen Teilen sind wir mehr Pferdekutschen als Autos begegnet. Das hat uns sehr gefallen, der Zustand der Straßen aber eher weniger. Manchmal fanden wir uns auf einem Feldweg wieder.

 

Wir haben es aber dann halbwegs pünktlich nach Brasov geschafft, wo wir Niklas samt Auto, Fahrrad und Hund getroffen haben.

 

 

 

Dort haben wir uns für einige Tage aufgeteilt. Milan und Niklas verbringen einige Zeit in der Nähe von Brasov und fahren dann mit dem Auto nach Budapest, von wo aus Milan auf dem Donauradweg nach München fährt.

 

 

 

Anja und Ich sind für ein paar Tage in den Karpathen Klettern gegangen, was wunderschön war.  Jetzt fahren wir durch Transsilvanien mit dem Fahrrad nach Budapest und von da auch auf den Donauradweg.

 

 

 

Am 19. September (so weit man das planen kann) treffen wir uns dann in München wieder und fahren zusammen heim.

 

 

 

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Do

28

Aug

2014

Georgien

 

Nach einigen letzten Kilometern entlang des Debed und vorbei an Stätten hinreißender Industrieromantik ging es dann auf direktem Wege nach Tiflis.

 

 

Dort ging es ins Travel House, über das ich ein paar Worte verlieren muss. Ins Leben gerufen von TheTravelClub.org, einem serbischen Forum für Reisende, wurden nun zum dritten mal durch Crowdfunding spenden gesammelt, um für 2 Monate ein Appartement zu mieten, in dem Reisende gegen eine kleine Spende für Strom und Wasser willkommen geheißen werden. In einem großen bunten Matratzenlager kommen so viele gleichgesinnte zusammen und teilen beim Kochen, Musik machen und feiern gehen Rezepte, Erfahrungen und das ein oder andere Bier.

 

 

Für Philip und Anja ging es nach einer Nacht weiter in die Berge nach Kazbegi, mich hat es für ein paar Tage in dem neuen zu Hause gehalten um zu versuchen eine Schiffsreise nach Boston zu ergatttern und in Tiflis einzutauchen.

 

 

Tiflis hat mich schnell begeistert. Die Stadt war lebendig und doch sehr entspannt. Es gab eine bunte Mischung aus modernen und fein restaurierten sowie alten, verwinkelten Gebäuden. Viele Orte zum entspannen, Kaffee trinken, Wein probieren oder den Blick über die Stadt schweifen lassen. Nachts gab es ein großes angebot an Theater, Konzerten und viele Bars und Clubs.

 

Außerdem gab es ähnlich wie im Gezi-Park, nur ein kleines bisschen kleiner, ein Camp von Einheimischen und Reisenden, mit dem gegen die Bebauung der Städtischen Grünflächen durch einen Hotellandschaft protestiert wurde. Es war ein sehr gastfreundlicher und entspannter Haufen, jeder war willkommen sein Zelt aufzustellen und es wurde alles geteilt. Auch Erfahrungen, und so wurde aus dem kurzen Besuch ein langer, sehr schöner Abend.

 

 

Weiteres Highlight von Tiflis ist laut vielen Berichten und Reiseführern der Besuch eines der vielen Schwefelbäder. Um eine möglichst authentische Erfahrung zu machen entschied ich mich für das konventionelle öffentliche und eine echte Erfahrung wurde es auch. Männer und Frauen besuchen die öffentlichen Bäder getrennt und unbekleidet. Und so ging es für mich rein in das Abenteuer Badehaus, das aus vielen Duschen, einer Sauna und dem Schwefelbad selbst bestand. Nicht in Reiseführern stand, dass das Orbeliani Badehaus ein inoffizieller Treffpunkt für homosexuelle ist und die Annäherungsversuche etwa so zurückhaltend sind wie Vodkaangebote in Armenien. Der Besuch war also kurz und endete in einer Flucht. Es war aber zumindest im Nachhinein sehr amüsant, es hat mich gefreut, dass es in einer sonst für homosexuelle eher weniger offen wirkenden Gesellschaft Orte wie diese gibt und es wird mir sicher lebhafter in Erinnerung bleiben als es ein schnöder Besuch eines konventionellen Sulfurbads geblieben wäre.

 

 

 

Zwischendrin ging es noch für einen Abstecher zu Philip und Anja in die Berge nach Kazbegi, wo wir gemeinsam hoch zum Gletscher des Kazbeg stiegen und einen sehr entspannten und erfrischenden Tag oben in den Bergen verbrachten.

 

 

Nach Tiflis haben wir drei uns dann nördlich von Tiflis wieder getroffen und haben die wunderschöne Fahrt Richtung Poti angetreteten, wo unsere Fähre nach Odessa abfuhr. Die Fahrt ging vorwiegend über kleine Straßen und ländliche Gebiete, vorbei an vielen schön verzierten, kleinen Landhäuschen. Nach zwei nächten am Strand vor Poti freuten wir uns dann schon richtig auf die Fähre, Odessa ich natürlich schon sehr auf das dazustoßen von Niklas, einem alten Schulfreund, in Rumänien. Und so ging es mit durchgehend knapp 19 Km/h in ca. 55 Stunden vorbei an Sevastopol in das wunderbar sommerliche Odessa.

 

Milan - Schwarzes Meer, in der naehe von Sevastopol - 18.08.2014, 22.30 Uhr

 

Sa

16

Aug

2014

Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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Fr

26

Sep

2014

Wir sind wieder da!

Nach einer Mittagspause in Wien, ging es am Donauradweg weiter bis nach Linz. Und von dort aus über München und das Allgäu an den Bodensee.

Wir haben uns riesig gefreut in Bregenz den See wieder zu erblicken und vor allem uns abends darin zu baden. Es war zwar schon etwas kühl, aber danach waren wir herrlich sauber!

Unsere letzte nacht haben wir in Rohrschach am Seeufer verbracht, wo wir dann um halb 12 Uhr nachts vom schweizer Ordnungsamt aus dem Tiefschlaf gerissen und aufgefordert wurden zusammenzupacken und woanders zu nächtigen.

Wildcampen ist am gesamten Bodenseeufer nicht erwünscht: Auch nicht für eine Nacht.

Das war sehr ernüchternd, haben wir doch 5 Monate lang immer ein Plätzchen gefunden, wo wir willkommen waren.

Am Mittag den 20.09. war es dann soweit: Wir waren wieder in Konstanz!

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diese Reise machen konnten und gleichzeitig freuen wir uns wieder in der Heimat zu sein und genießen den Komfort von Bett und Dusche.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns auf dieser Tour unterstützt und begleitet haben. Es war großartig!

 

Anja - Müllheim, 26.09.2014

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Di

16

Sep

2014

Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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Mi

03

Sep

2014

Ukraine, Moldawien und Rumänien

Nach 3 Tagen Schifffahrt und Sträflingskost (Gut, ein paar Sachen waren in Ordnung, das Frühstück zum Beispiel) sind wir endlich in der Ukraine angekommen. In Odessa sind wir bei couchsurfern untergekommen, die uns auch gleich die Stadt gezeigt haben. Odessa ist super schön! Überall herrscht Urlaubsgefühl, in der Fußgängerzone sind Straßenmusiker, Essensstände und vor allem angenehme Temperaturen! Ja, es ist wirklich angenehm kühl geworden, so 25° vielleicht.

 

Weil uns mittlerweile so viele Leute darauf angesprochen haben: Man spürt überhaupt nicht, dass in dem Osten der Ukraine Krieg herrscht. In Odessa gab es keine Kampfhandlungen, nur vor 3 Monaten gab es eine Demonstration, die gewaltvoll endete. Unsere Gastgeberin meinte dazu nur: Das waren keine Leute aus Odessa, in Odessa sind alle glücklich, weil die Stadt am Meer liegt.

 

Einzig Plakate, die zu Spenden für die Armee aufrufen, und ein paar Panzer in der Grenzregion zu Moldawien und Transnistrien, erinnern an die politische Situation der Ukraine.

 

Uns hat es auf jeden Fall gut gefallen, wir sind viel rumgelaufen, haben Gebäude angeschaut und Kraft getankt.

 

 

 

Denn die nächsten Tage waren anstrengend. Wir haben uns mit Milans Freund Niklas in Brasov, Rumänien verabredet und mussten uns beeilen. Deshalb sind wir viel gefahren, meist etwa 120 km pro Tag. Die Landschaft hat uns hierbei aber geholfen, denn es ist relativ flach, sanft wellig vielleicht, nachdem wir von der Ukraine nach Moldawien eingereist sind. Den kleinen Staat haben wir von Ost nach West durchquert. In Moldawien sprechen die Menschen eine dem rumänischen sehr ähnliche Sprache, aber russisch wird auch noch verstanden.

 

 

 

Nach nur 3 Tagen in Moldawien sind wir dann nach Rumänien und damit zurück in die EU eingereist!

 

Die EU hat uns aber an dieser Grenze eher etwas verschlafen und alles andere als modern empfangen. Der Osten von Rumänien ist sehr ländlich geprägt und in manchen Teilen sind wir mehr Pferdekutschen als Autos begegnet. Das hat uns sehr gefallen, der Zustand der Straßen aber eher weniger. Manchmal fanden wir uns auf einem Feldweg wieder.

 

Wir haben es aber dann halbwegs pünktlich nach Brasov geschafft, wo wir Niklas samt Auto, Fahrrad und Hund getroffen haben.

 

 

 

Dort haben wir uns für einige Tage aufgeteilt. Milan und Niklas verbringen einige Zeit in der Nähe von Brasov und fahren dann mit dem Auto nach Budapest, von wo aus Milan auf dem Donauradweg nach München fährt.

 

 

 

Anja und Ich sind für ein paar Tage in den Karpathen Klettern gegangen, was wunderschön war.  Jetzt fahren wir durch Transsilvanien mit dem Fahrrad nach Budapest und von da auch auf den Donauradweg.

 

 

 

Am 19. September (so weit man das planen kann) treffen wir uns dann in München wieder und fahren zusammen heim.

 

 

 

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Do

28

Aug

2014

Georgien

 

Nach einigen letzten Kilometern entlang des Debed und vorbei an Stätten hinreißender Industrieromantik ging es dann auf direktem Wege nach Tiflis.

 

 

Dort ging es ins Travel House, über das ich ein paar Worte verlieren muss. Ins Leben gerufen von TheTravelClub.org, einem serbischen Forum für Reisende, wurden nun zum dritten mal durch Crowdfunding spenden gesammelt, um für 2 Monate ein Appartement zu mieten, in dem Reisende gegen eine kleine Spende für Strom und Wasser willkommen geheißen werden. In einem großen bunten Matratzenlager kommen so viele gleichgesinnte zusammen und teilen beim Kochen, Musik machen und feiern gehen Rezepte, Erfahrungen und das ein oder andere Bier.

 

 

Für Philip und Anja ging es nach einer Nacht weiter in die Berge nach Kazbegi, mich hat es für ein paar Tage in dem neuen zu Hause gehalten um zu versuchen eine Schiffsreise nach Boston zu ergatttern und in Tiflis einzutauchen.

 

 

Tiflis hat mich schnell begeistert. Die Stadt war lebendig und doch sehr entspannt. Es gab eine bunte Mischung aus modernen und fein restaurierten sowie alten, verwinkelten Gebäuden. Viele Orte zum entspannen, Kaffee trinken, Wein probieren oder den Blick über die Stadt schweifen lassen. Nachts gab es ein großes angebot an Theater, Konzerten und viele Bars und Clubs.

 

Außerdem gab es ähnlich wie im Gezi-Park, nur ein kleines bisschen kleiner, ein Camp von Einheimischen und Reisenden, mit dem gegen die Bebauung der Städtischen Grünflächen durch einen Hotellandschaft protestiert wurde. Es war ein sehr gastfreundlicher und entspannter Haufen, jeder war willkommen sein Zelt aufzustellen und es wurde alles geteilt. Auch Erfahrungen, und so wurde aus dem kurzen Besuch ein langer, sehr schöner Abend.

 

 

Weiteres Highlight von Tiflis ist laut vielen Berichten und Reiseführern der Besuch eines der vielen Schwefelbäder. Um eine möglichst authentische Erfahrung zu machen entschied ich mich für das konventionelle öffentliche und eine echte Erfahrung wurde es auch. Männer und Frauen besuchen die öffentlichen Bäder getrennt und unbekleidet. Und so ging es für mich rein in das Abenteuer Badehaus, das aus vielen Duschen, einer Sauna und dem Schwefelbad selbst bestand. Nicht in Reiseführern stand, dass das Orbeliani Badehaus ein inoffizieller Treffpunkt für homosexuelle ist und die Annäherungsversuche etwa so zurückhaltend sind wie Vodkaangebote in Armenien. Der Besuch war also kurz und endete in einer Flucht. Es war aber zumindest im Nachhinein sehr amüsant, es hat mich gefreut, dass es in einer sonst für homosexuelle eher weniger offen wirkenden Gesellschaft Orte wie diese gibt und es wird mir sicher lebhafter in Erinnerung bleiben als es ein schnöder Besuch eines konventionellen Sulfurbads geblieben wäre.

 

 

 

Zwischendrin ging es noch für einen Abstecher zu Philip und Anja in die Berge nach Kazbegi, wo wir gemeinsam hoch zum Gletscher des Kazbeg stiegen und einen sehr entspannten und erfrischenden Tag oben in den Bergen verbrachten.

 

 

Nach Tiflis haben wir drei uns dann nördlich von Tiflis wieder getroffen und haben die wunderschöne Fahrt Richtung Poti angetreteten, wo unsere Fähre nach Odessa abfuhr. Die Fahrt ging vorwiegend über kleine Straßen und ländliche Gebiete, vorbei an vielen schön verzierten, kleinen Landhäuschen. Nach zwei nächten am Strand vor Poti freuten wir uns dann schon richtig auf die Fähre, Odessa ich natürlich schon sehr auf das dazustoßen von Niklas, einem alten Schulfreund, in Rumänien. Und so ging es mit durchgehend knapp 19 Km/h in ca. 55 Stunden vorbei an Sevastopol in das wunderbar sommerliche Odessa.

 

Milan - Schwarzes Meer, in der naehe von Sevastopol - 18.08.2014, 22.30 Uhr

 

Sa

16

Aug

2014

Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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Fr

26

Sep

2014

Wir sind wieder da!

Nach einer Mittagspause in Wien, ging es am Donauradweg weiter bis nach Linz. Und von dort aus über München und das Allgäu an den Bodensee.

Wir haben uns riesig gefreut in Bregenz den See wieder zu erblicken und vor allem uns abends darin zu baden. Es war zwar schon etwas kühl, aber danach waren wir herrlich sauber!

Unsere letzte nacht haben wir in Rohrschach am Seeufer verbracht, wo wir dann um halb 12 Uhr nachts vom schweizer Ordnungsamt aus dem Tiefschlaf gerissen und aufgefordert wurden zusammenzupacken und woanders zu nächtigen.

Wildcampen ist am gesamten Bodenseeufer nicht erwünscht: Auch nicht für eine Nacht.

Das war sehr ernüchternd, haben wir doch 5 Monate lang immer ein Plätzchen gefunden, wo wir willkommen waren.

Am Mittag den 20.09. war es dann soweit: Wir waren wieder in Konstanz!

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diese Reise machen konnten und gleichzeitig freuen wir uns wieder in der Heimat zu sein und genießen den Komfort von Bett und Dusche.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns auf dieser Tour unterstützt und begleitet haben. Es war großartig!

 

Anja - Müllheim, 26.09.2014

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Di

16

Sep

2014

Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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Mi

03

Sep

2014

Ukraine, Moldawien und Rumänien

Nach 3 Tagen Schifffahrt und Sträflingskost (Gut, ein paar Sachen waren in Ordnung, das Frühstück zum Beispiel) sind wir endlich in der Ukraine angekommen. In Odessa sind wir bei couchsurfern untergekommen, die uns auch gleich die Stadt gezeigt haben. Odessa ist super schön! Überall herrscht Urlaubsgefühl, in der Fußgängerzone sind Straßenmusiker, Essensstände und vor allem angenehme Temperaturen! Ja, es ist wirklich angenehm kühl geworden, so 25° vielleicht.

 

Weil uns mittlerweile so viele Leute darauf angesprochen haben: Man spürt überhaupt nicht, dass in dem Osten der Ukraine Krieg herrscht. In Odessa gab es keine Kampfhandlungen, nur vor 3 Monaten gab es eine Demonstration, die gewaltvoll endete. Unsere Gastgeberin meinte dazu nur: Das waren keine Leute aus Odessa, in Odessa sind alle glücklich, weil die Stadt am Meer liegt.

 

Einzig Plakate, die zu Spenden für die Armee aufrufen, und ein paar Panzer in der Grenzregion zu Moldawien und Transnistrien, erinnern an die politische Situation der Ukraine.

 

Uns hat es auf jeden Fall gut gefallen, wir sind viel rumgelaufen, haben Gebäude angeschaut und Kraft getankt.

 

 

 

Denn die nächsten Tage waren anstrengend. Wir haben uns mit Milans Freund Niklas in Brasov, Rumänien verabredet und mussten uns beeilen. Deshalb sind wir viel gefahren, meist etwa 120 km pro Tag. Die Landschaft hat uns hierbei aber geholfen, denn es ist relativ flach, sanft wellig vielleicht, nachdem wir von der Ukraine nach Moldawien eingereist sind. Den kleinen Staat haben wir von Ost nach West durchquert. In Moldawien sprechen die Menschen eine dem rumänischen sehr ähnliche Sprache, aber russisch wird auch noch verstanden.

 

 

 

Nach nur 3 Tagen in Moldawien sind wir dann nach Rumänien und damit zurück in die EU eingereist!

 

Die EU hat uns aber an dieser Grenze eher etwas verschlafen und alles andere als modern empfangen. Der Osten von Rumänien ist sehr ländlich geprägt und in manchen Teilen sind wir mehr Pferdekutschen als Autos begegnet. Das hat uns sehr gefallen, der Zustand der Straßen aber eher weniger. Manchmal fanden wir uns auf einem Feldweg wieder.

 

Wir haben es aber dann halbwegs pünktlich nach Brasov geschafft, wo wir Niklas samt Auto, Fahrrad und Hund getroffen haben.

 

 

 

Dort haben wir uns für einige Tage aufgeteilt. Milan und Niklas verbringen einige Zeit in der Nähe von Brasov und fahren dann mit dem Auto nach Budapest, von wo aus Milan auf dem Donauradweg nach München fährt.

 

 

 

Anja und Ich sind für ein paar Tage in den Karpathen Klettern gegangen, was wunderschön war.  Jetzt fahren wir durch Transsilvanien mit dem Fahrrad nach Budapest und von da auch auf den Donauradweg.

 

 

 

Am 19. September (so weit man das planen kann) treffen wir uns dann in München wieder und fahren zusammen heim.

 

 

 

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Do

28

Aug

2014

Georgien

 

Nach einigen letzten Kilometern entlang des Debed und vorbei an Stätten hinreißender Industrieromantik ging es dann auf direktem Wege nach Tiflis.

 

 

Dort ging es ins Travel House, über das ich ein paar Worte verlieren muss. Ins Leben gerufen von TheTravelClub.org, einem serbischen Forum für Reisende, wurden nun zum dritten mal durch Crowdfunding spenden gesammelt, um für 2 Monate ein Appartement zu mieten, in dem Reisende gegen eine kleine Spende für Strom und Wasser willkommen geheißen werden. In einem großen bunten Matratzenlager kommen so viele gleichgesinnte zusammen und teilen beim Kochen, Musik machen und feiern gehen Rezepte, Erfahrungen und das ein oder andere Bier.

 

 

Für Philip und Anja ging es nach einer Nacht weiter in die Berge nach Kazbegi, mich hat es für ein paar Tage in dem neuen zu Hause gehalten um zu versuchen eine Schiffsreise nach Boston zu ergatttern und in Tiflis einzutauchen.

 

 

Tiflis hat mich schnell begeistert. Die Stadt war lebendig und doch sehr entspannt. Es gab eine bunte Mischung aus modernen und fein restaurierten sowie alten, verwinkelten Gebäuden. Viele Orte zum entspannen, Kaffee trinken, Wein probieren oder den Blick über die Stadt schweifen lassen. Nachts gab es ein großes angebot an Theater, Konzerten und viele Bars und Clubs.

 

Außerdem gab es ähnlich wie im Gezi-Park, nur ein kleines bisschen kleiner, ein Camp von Einheimischen und Reisenden, mit dem gegen die Bebauung der Städtischen Grünflächen durch einen Hotellandschaft protestiert wurde. Es war ein sehr gastfreundlicher und entspannter Haufen, jeder war willkommen sein Zelt aufzustellen und es wurde alles geteilt. Auch Erfahrungen, und so wurde aus dem kurzen Besuch ein langer, sehr schöner Abend.

 

 

Weiteres Highlight von Tiflis ist laut vielen Berichten und Reiseführern der Besuch eines der vielen Schwefelbäder. Um eine möglichst authentische Erfahrung zu machen entschied ich mich für das konventionelle öffentliche und eine echte Erfahrung wurde es auch. Männer und Frauen besuchen die öffentlichen Bäder getrennt und unbekleidet. Und so ging es für mich rein in das Abenteuer Badehaus, das aus vielen Duschen, einer Sauna und dem Schwefelbad selbst bestand. Nicht in Reiseführern stand, dass das Orbeliani Badehaus ein inoffizieller Treffpunkt für homosexuelle ist und die Annäherungsversuche etwa so zurückhaltend sind wie Vodkaangebote in Armenien. Der Besuch war also kurz und endete in einer Flucht. Es war aber zumindest im Nachhinein sehr amüsant, es hat mich gefreut, dass es in einer sonst für homosexuelle eher weniger offen wirkenden Gesellschaft Orte wie diese gibt und es wird mir sicher lebhafter in Erinnerung bleiben als es ein schnöder Besuch eines konventionellen Sulfurbads geblieben wäre.

 

 

 

Zwischendrin ging es noch für einen Abstecher zu Philip und Anja in die Berge nach Kazbegi, wo wir gemeinsam hoch zum Gletscher des Kazbeg stiegen und einen sehr entspannten und erfrischenden Tag oben in den Bergen verbrachten.

 

 

Nach Tiflis haben wir drei uns dann nördlich von Tiflis wieder getroffen und haben die wunderschöne Fahrt Richtung Poti angetreteten, wo unsere Fähre nach Odessa abfuhr. Die Fahrt ging vorwiegend über kleine Straßen und ländliche Gebiete, vorbei an vielen schön verzierten, kleinen Landhäuschen. Nach zwei nächten am Strand vor Poti freuten wir uns dann schon richtig auf die Fähre, Odessa ich natürlich schon sehr auf das dazustoßen von Niklas, einem alten Schulfreund, in Rumänien. Und so ging es mit durchgehend knapp 19 Km/h in ca. 55 Stunden vorbei an Sevastopol in das wunderbar sommerliche Odessa.

 

Milan - Schwarzes Meer, in der naehe von Sevastopol - 18.08.2014, 22.30 Uhr

 

Sa

16

Aug

2014

Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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Mo

28

Jul

2014

Iran

Der Iran ist in vieler Hinsicht eine der besondersten Länder auf unserer Reise. Nicht nur weil wir im Iran am weitesten weg sind von unserer Heimat.

 

Vor allem aber hört man dann doch sehr viele für uns sehr fremde und unverständliche Dinge aus dem Iran. (Kopftuchgebot, Rechtsprechung nach der Scharia,  usw...) Aber um es schon mal vorweg zu nehmen: Wir haben ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht und können den Iran als Reiseziel nur empfehlen!

 

Unsere Einreise in den Iran war dann aber doch eher chaotisch. Neue Währung, deren Wechselkurs nicht klar ist (auf der Strasse bekommt man um einiges mehr als in offiziellen Wechselstuben), Alles Geld muss man bar mitnehmen (Der Iran ist vom internationalen Finanzmarkt abgeschlossen, man kann also kein Geld abheben), andere Kleiderordnung (Anja muss mit Kopftuch fahren, und mit komplett langen Klamotten, Milan und Ich sind mit langen Hosen gefahren).

An unserem zweiten Tag im Iran sind wir also in unserem Islam-konformen Outfit auf der Straße unterwegs, als uns auf einmal ein Fahrradfahrer mit einem warmshowers.com T-Shirt entgegenkommt. (warmshowers.com ist genau wie couchsurfing ein Netzwerk, bei dem man Freunde finden kann, bei denen man übernachtet wenn man auf Reisen ist. warmshowers ist aber spezielle für Fahrradfahrer)

 

Der Mann stellt sich als Akbar vor und schenkt uns allen eine Limonade. Schon hier waren wir überrascht, dass er genau drei Stück dabei hat. Er hat außerdem 3 Fotoalben dabei, in denen nur Fotos von Tourenradfahrern sind. Hunderte von Fotos von Radlern aus aller Welt, zu allen Jahreszeiten, mit den aussergewöhnlichsten Rädern und alle hat Akbar getroffen und ein Foto mit ihnen gemacht. Diese Strasse durch den Iran ist nämlich eine Engstelle für alle Fahrradfahrer, die nach Indien, China oder Südostasien wollen. Durch Syrien und den Irak will niemand fahren und durch Russland fahren die wenigsten. Akbar erzählt uns, dass er in 27 Monaten 385 Fahrradfahrer getroffen hat. Es gibt hier nämlich ein ganzes Netzwerk von warmshowers usern. Akbar hat Freunde entlang der Strasse, die ihn anrufen, sobald sie Tourenradler sehen. Deswegen ist er uns entgegengefahren. Er hilft ihnen dann, private Unterkünfte zu finden, zeigt ihnen Plätze wo man Zelte aufstellen kann und gibt vor allem jedem einen Zettel mit Namen und Telefonnummern von warmshowers Freunden aus allen größeren Städten im Iran. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und die Leute wissen sofort bescheid, wenn man sich bei Ihnen meldet. Wir zum Beispiel sind nach Tabriz weiter gefahren, wo wir dann von dem nächsten warmshowers Mitglied Hamed empfangen wurden. Hamed hat uns zum Zeltplatz geführt (In jeder Stadt im Iran gibt es einen Stadtpark, wo man Zelten kann, denn die Iraner lieben Campen und Picknicken über alles.), hat uns durch die Stadt geführt, gezeigt wo wir Essen finden und uns eine Menge über sich und das Leben im Iran erzählt.

 

Also wir uns entschieden haben, einen Ausflug nach Isfahan mit dem Bus zu machen, hat er außerdem organisiert, dass wir unsere Fahrräder bei einem Freund unterstellen können und hat uns zum Bus begleitet.

 

Nach 2 Monaten Türkei dachten wir eigentlich, dass das Maximum an Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft erreicht ist, aber wir haben uns eines besseren belehren lassen.

 

Nachdem wir aus Isfahan zurück kamen, haben wir uns mit den Freunden von Hamed (Mesut und Mehrdad) getroffen, die uns zum Picknick in den Stadtpark eingeladen haben.

 

 Unsere Route Richtung Armenien hat uns die ersten Kilometer wieder auf die Strasse, aus der wir kamen, geführt, so dass wir wieder an Marand (der Stadt, in der Akbar wohnt) vorbei kamen. Wir fahren also wie immer, als uns aus einem vorbeifahrenden Auto ein Foto entgegenwinkt - ein Foto von uns mit Akbar. Hamed hat nämlich in der zwischenzeit Akbar angerufen, ihm Bescheid gesagt, dass wir vorbei kommen und Akbar hat seine Spione auf der Strasse losgeschickt. Also werden wir zu Akbar eskortiert, der schon eine Übernachtung bei einer iranischen Familie für uns organisiert hat. Das warmshowers-Netzwerk kann es wirklich mit der NSA aufnehmen.

 

Nachdem wir nun einige Zeit mit jungen Iranern zu tun hatten, war es interessant einen Einblick in eine ganz normale iranische Familie zu bekommen. Wie immer wurden wir mit einer riesigen Gastfreundschaft empfangen, es wurde gekocht und wir haben uns mit den Eltern und den Kindern unterhalten und Mensch-Ärger-Dich-Nicht gespielt. (Heisst im Iran witzigerweise einfach nur MENSCH).

 

Zuhause bei der Familie hat niemand Kopftuch getragen, es wurde nicht gebetet und auch nicht gefastet (es ist immer noch Ramadan). Wieder einmal wurde uns klar, dass die von der Regierung vorgeschriebenen muslimischen Gesetze nicht die Meinung der Bevölkerung wiederspiegelt. Es mag von außen so aussehen, weil alle ein Kopftuch tragen und bei Ramadan nicht auf der Straße gegessen wird, aber zuhause darf jeder noch machen was er will. Und das ist in vielen Fällen nicht ein religiöses Leben zu führen.

 

Thema Kopftuch: Wir haben im Iran mehr Kopftücher gesehen als im Osten der Türkei. Das lag aber vor allem daran, dass allgemein mehr Frauen auf der Straße waren. Wir hatten auch das Gefühl, dass Frauen sich freier und unbeschwerter Verhalten. Wir können uns nicht daran erinnern, dass Milan oder Ich in der Osttürkei von Frauen angesprochen wurden. Im Iran ist uns das mehrmals passiert.

 

Wir sind übrigens in der ganzen Zeit keinem religösem Eiferer und allgemein wenig Mullahs begegnet. Das Bild vom Iran als Nation voller fanatischen Islamisten gehört eindeutig in die Katogerie der Trugbilder. Die Regierung mag es durch die Medien so wirken lassen, aber die Bevölkerung ist unserer Erfahrung nach keineswegs so verbohrt und konservativ. Für den Iran hat der Unterschied zwischen der Regierung und der Bevölkerung leider die Konsequenz, dass sehr viele jungen, gut ausgebildete Menschen den Iran verlassen.

 

 

 

Auch deswegen konnten wir die Zeit im Iran sehr geniessen, haben einen Kurztrip nach Isfahan mit dem Bus gemacht  (Wegen unserer Visas hätte die Zeit nicht mehr ausgereicht, mit dem Fahrrad zu fahren), wo wir einige der wichtigsten islamischen Bauwerke der Welt gesehen haben und uns in die Gässchen des Bazars geschlagen haben. Es gab zum Beispiel ein Zimmer in einem Palast, wo man sich in die gegenüberliegenden Ecken stellen konnte, die Wand angucken und sich zuflüstern. Die Formen des Zimmers haben die Geräusche so weitergegeben, dass sie genau in der gegenüberliegenden Ecke verstärkt ankamen. Das fühlt sich ein bisschen an wie ein antikes Telefon.

 

Nach 11 wundervollen Tagen im Iran sind wir gestern (mittlerweile schon vor 3 Tagen) über die armenische Grenze gefahren und fahren jetzt Richtung Kaukasus.

 

Philip - Goris (Armenien), 28.09.2014

 

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So

13

Jul

2014

Diyarbakir - Dogabeyazit

Nachdem Anja und Milan in Diyarbakir krank waren, haben wir uns wieder in die Hitze gestürzt. Bei 42° im Schatten folgtem wir dem Tigris. (Die Bibelfesten unter uns kennen den Fluss wahrscheinlich).

 

Nach einem Tag Fahrt war dann aber Ich an der Reihe mit Reisekrankheit. Nachdem wir die Nacht bei einer super netten Bauernfamilie verbracht hatten, ging es am nächsten Tag nur eine Stunde mit dem Fahrrad fahren. Wir haben uns den nächstbesten Schatten gesucht und von 9 Uhr morgens bis halb 6 abends ¨Mittagspause¨ gemacht. Da mir speiübel war und es selbst Nachts nicht wirklich abkühlte, schleppten wir uns eher in die nächste Stadt, Batman, als dass wir wirklich fuhren. 

 

Dort gab es aber eine Herberge, sodass ich mich auskurieren konnte und wir danach dem ¨Tal der Hölle¨ in die Berge entfliehen konnten. Wir fuhren ein enges Flusstal hoch in die Berge und es wurde mit jedem Höhenmeter spürbar kühler. Nach 2 Tagen bergauf kamen wir am Va7n-See an, wo wieder humane Temperaruren um die 28° herrschten.

 

Lustig gestaltet sich mittlerweile unsere Essenssuche. Da gerade Ramadan ist, verzichten alle religiösen Muslime tagsüber auf Essen und Trinken. Und das sind in den Dörfern und den meisten Städten fast alle. Um Essen zu organisieren, sind wir auf die Hinweise von Leute vor Ort angewiesen, weil Restaurants und alles ähnliche geschlossen sind. Wir müssen uns also etwas mit jemanden anfreunden, um dann verschwörerisch nach Essen zu fragen. Mit etwas Glück zwinkert uns unser neuer Freund mit einem Auge zu und wir folgen ihm durch ein Gewirr von Gassen durch die Hintertür eines kleinen Internetcafés in eine kleine Wohnung, wo im hintersten Zimmer ein großer Topf steht und ein paar Menschen heimlich Essen servieren. So geschehen in der Stadt Bitlis. (Noch ein kleiner Hinweis: Auch in der Osttürkei ist Essen und Trinken während Ramadan nicht offiziell verboten oder ähnliches. Jeder darf selbst entscheiden, ob er Ramadan macht oder nicht. Aber nach unserer Erfahrung tut es so gut wie jeder. Deshab fühlt es sich ein bisschen we Drogen Dealen an.)

 

Im Moment sind wir in Dogabeyazit, direkt neben dem berühmten Berg Ararat (der nächste Bekannte aus der Bibel), nachdem wir einen Tag durch das bergige Grenzgebiet zwischen Türkei und Iran gefahren sind. Abends auf 2600 Meter Höhe haben wir es genossen, endlich mal wieder ein klein wenig zu frieren.

 

Heute Abend schauen wir das Deutschland Spiel und morgen früh geht es dann in den Iran!  Wir sind total gespannt darauf!

 

Wahrscheinlich wird es aber etwas dauern, bis der nächste Blogeintrag gespostet wird.  Dafür gibt es bald das zweite Video anzugucken unter Video.

Viel Spaß dabei!

 

 

 

Philip - Dogabeyazit, 13.07.2014

 

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So

06

Jul

2014

Göreme - Nemrut

Und raus ging es. Die nächste Etappe führte uns raus aus Göreme und den beeindruckenden Höhlen Kappadokiens, hoch auf den beeindruckenden Nemrut Dagi.

 

Aber nicht zu schnell. Erstmal ging es gute 500m nach der Abfahrt gleich wieder rein in Höhlen, diesmal aber bepackt mit Schlafsack und Isomatte. Beeindruckt sind wir nach etwas Suche in eine byzantinische Kirche aus dem 11. Jh. gerannt, natürlich mit anliegender Küche, Esszimmer und einigen Vorzimmern. Nach Speis, Trank und Höhlentanz hätte die Nacht am Althar nicht gemütlicher sein können. Bis wir dann um 5.30 Uhr von immer näher kommenden Stimmen und einem scheinbaren Hochdruckreiniger geweckt wurden. Etwas verwirrt lagen wir noch eine Weile unterm Kreuz bis uns dann endlich, naja, ein Ballon aufging. Direkt vor unserem Höhleneingang schaute uns aus 30m entfernung eine 20 köpfige Touristengruppe aus dem Korb eines Heißluftballons an und war wohl ungefährt so überrascht über uns Kirchenbewohner wie wir über ihren Heißluftballon. Sehr amüsiert und euphorisch entdeckten wir dann, dass die Postkartenfotos von Kappadokien nicht Photoshop entspringen und blickten in einen Himmel übersäht mit Heißluftballons. 

 

 

Nachdem wir dann endgültig die Abfahrt aus Kappadokien geschaft hatten, ging es mehrere Tage durch die Berge, über Kayseri und Pinarbasi nach Malatya. Dort hatten wir einen super Host von Couchsurfing und konnten mit seiner Hilfe viele Erledigungen machen. Re-Cycling-Eurasia Visitenkarten wurden gedruckt, eine Computertastatur mit Adapter zum Anschluss ans Handy besorgt und endlich das 1. Video hochgeladen. Außerdem sind Philip und ich mit dem Bus nach Trabzon und konnten endlich unser Iran-Visum bekommen!

 

 

Nach Malatya ging dann die Fahrt Richtung Nemrut Dagi los. In zwei Tagen ging es durch Berglandschaften, die immer spektakulärer wurden, hoch auf den 2150m hohen Gipfel. Der Peak mit sehr großen Statuen von Antiochros I. Theos und verschiedenen Gottheiten sollte sein Grab und heilige Stätte einer neuen Religion sein, die persische und griechische Mythologie vereinigte. Für uns war es auf jeden Fall ein beeindruckender Ort in Mitten des Taurusgebirges und ein Frühstücksplatz den man sich nicht schöner denken könnte.

 

 

Und nun noch ein paar Worte zu den herausforderungen des möglichst nachhaltigen Reisens. Unsere Ziele werden mittlerweile immer realer und wir können schon einige zuversichtliche Annahmen machen. Ausführliche Erfahrungsberichte mit Videos folgen später auf den Themenseiten.

 

 

Der Kampf gegeben die Plastiktüten war wie so mancher für Grünschnäbel zu Anfang ein schwerer. Aber mit Migros Stofftaschen und wachem Kopf lässt er sich mittlerweile doch ganz gut gewinnen und wir schaffen es die meisten listigen Verkäufer auszutricksen. Dazu zwei kurze Anekdoten: Als wir vier Stofftaschen bei Migros an der Kasse kaufen waren, die dort natürlich hängen damit weniger Plastiktüten gekauft werden, kamen die sechs Schokoriegel die wir auch auf dem Band liegen hatten – wohin? – natürlich in eine Plastiktüte.

 

Und in einem Dorf kurz darauf wurde ein junger Verkäufer sogar tatsächlich sauer, weil wir seine Plastiktüten nicht nehmen wollten. Mit ähnlichen Erfahrungen enstand so der Eindruck, dass der Titel Kampf gegen die Plastiktüten doch mehr als gerechtfertigt wäre.

 

Da die Türkei auch Land der Brunnen genannt werden könnte, stellt die Versorgung mit sauberem Trinkwasser überhaupt keine Probleme dar. Die ersten Wochen haben wir trotzdem ausgiebig gefiltert und können so schon mal sicher sagen, dass wir wohl auch im Land der Sümpfe ohne Probleme überleben würden. Für trockene Strecken haben wir zudem Wassersäcke, auch das ist also kein Problem, die dann abends als Duschen fungieren.

 

 

Die Energieversorgung funktioniert  nach etwas probieren nun auch schon sehr gut. Unser Ziel sieht wie folgt aus: Wir wollen bis zum Ende der Reise all unsere eigenen Geräte nur mit „selbst“ erzeugtem Strom versorgen. Der Laptop hängt gerade an den Pufferakkus, diese wiederum an den Solarpanels und während der Fahrt können wir zudem unsere USB-Geräte an den Nabendynamos Laden. Genaue Testwerte und Erfahrungsberichte dazu kommen etwas später nachdem wir noch ein Multimeter aus Deutschland bekommen. Das erklärte Ziel sind wir aber sehr zuversichtlich erreichen zu können und müssen dabei lediglich die Videobearbeitung teilweise hinten anstellen.

 

 

Nun blicken wir alle schon mit Vorfreude dem Iran entgegen. Eine neue Sprache, lange Hosen, andere Nummernschilder und laut Reiseberichten eines der Gastfreundschaftlichsten Völkchen der Welt. Ach und natürlich Ramadan.

 

 

 

Milan - Batman, 06.07.2014, 18.40 Uhr

Mi

18

Jun

2014

Olympos - Kapadokya

Nach 12 Tagen Pause in Olympos sind wir Richtung Kappadokkien im zentralanatolischen Hochland aufgebrochen. Für uns hat das bedeutet, Abschied vom Meer zu nehmen und unseren ersten hohen Bergpass zu überqueren.

 

Doch der Reihe nach:

In Olympos hatten wir nämlich eine wirklich wundervolle Zeit. Denn Olympos hat nicht nur historisch und landschaftlich viel zu bieten, sondern ist vor allem für seine Kletterspots bekannt. Der kleine Ort, in dem sich ein Baumhaus-Hostel an das nächste reiht, liegt direkt am Meer am Fuße des namensgebenden Berges Olympos. Strand und Felsküste wechseln sich hier ab. Also perfekt zum relaxen, Panoramaklettern und deep-water-soloing/Klippenspringen.

Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Täglich sind wir mit unserer Kletterausrüstung losgezogen, bis wir schließlich überall zerkratzt und mit geschundenen Händen unsere Kletterausrüstung für den Rücktransport nach Deutschland Feunden übergeben haben.

Doch selten sind wir alleine geklettert. In unserem Hostel, aber auch beim Klettern haben wir schnell viele Leute kennen gelernt, die wir am Liebsten in unsere Reisegepäck gepackt und mitgenommen hätten!

 

Mit neuer Kraft und neuen Ritzeln sind wir dann am 7.Juni, etwas später als ursprünglich geplant, aufgebrochen. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns dabei geholfen haben die Fahrradteile zu besorgen und einzubauen.

Nach ein paar flachen Metern ging es dann erst einmal 3 Tage mehr oder weniger kontinuierlich bergauf. Durch wunderschöne, sehr spärlich besiedelte Natur. Damit einhergehend wurde auch die Versorgung mit Wasser und Essen deutlich schlechter, die Zeltplätze dafür umso schöner.

Kurz vor dem Pass auf 1825m wurden wir dann von einem Gewitter mit heftigem Regen und Hagel überrascht. Natürlich gab es dort weit und breit nichts zum unterstellen und zu Essen hatten wir auch nicht mehr viel. Doch die Plastiktüte, welche unsere restlichen Brote vor dem Regen schützen sollte, hat dicht gehalten und am nächsten Morgen konnten wir schon nach wenigen Kilometern eine Tankstelle ansteuern.

Weiter ging es dann auf der Seidenstraße Richtung Osten. Durch eine endlose Ebene vorbei an alten Karawansereien bis wir am 15.Juni Kappadokkien erreicht haben.

 

Hier in Göreme verbringen wir unsere Tage mit Sightseeing und Videobearbeitung. Die seltsamen Felsformationen, des weichen Vulkangesteins, in welches Menschen schon seit Jahrhunderten ihre Häuser graben/bauen ist wirklich einzigartig. Das moderne Stadtbild verkörperte eine eindrucksvolle Verschmelzung von Architektur und Natur. Auch die historischen Stätten sind beeindruckend. Im Open Air Museum konnten wir eine in Stein gehauene christliche Klosterstadt bestaunen. Und ein paar Kilometer weiter in Kaymakli sogar eine Stadt, welche sich komplett unter der Erde befindet und ein paar tausend Leute fassen konnte. Diese wirklich ausgeklügelte 8-stöckige Stadt diente als Versteck vor Feinden, vor allem Christen zu Zeiten der Verfolgung, und bot alles, was man zum Leben, Lagern von Lebensmitteln und der Weinherstellung brauchte: Grundwasserbrunnen bis 120m in die Tiefe, Lüftungssysteme, welche selbst den Rauch der Holzfeuer quasi unsichtbar an die Oberfläche transportiert hat und eine konstante Temperatur von ca. 17°C.

 

Heute Nachmittag noch wollen wir wieder aufbrechen. Vorbei am Nemrut-Berg und dem Van-See an die iranische Grenze. Doch wahrscheinlich müssen wir noch einen Abstecher mit dem Bus nach Trabzon ins iranische Konsulat machen. Denn Philip und Milan haben ihr Visum nach 2-maligem beantragen und 3-monatiger Wartezeit immer noch nicht.

 

Anja – Göreme - 18.06.2014.

 

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Do

29

Mai

2014

Manisa - Olympos

Und die Reise ging weiter. Unsere nächsten Etappen führten uns über Berge, sehr viele Berge, sogar verschiedene Berge aber dazu später mehr. In diesem Beitrag wollen wir ein bisschen von all den kleinen und großen Begegnungen und Erlebnissen berichten, einige natürlich statistisch belegbare Eindrücke niederschreiben und im nächsten dann über unsere Ziele sprechen und ob sie Ziele bleiben müssen.

Verwöhnt wie kleine Kaiser ging es nach zwei Nächten in Manisa in strahlender Sonne auf in Richtung Izmir zum nächsten Gastgeber, diesmal über warmshowers.org. Izmir ist sehr modern und lebendig. Und neben vielen jungen Leuten, einer großen Barszene und grünen Uferpromenade gab es, siehe da, sogar Fahrradstationen die rege genutzt wurden! Da wir vom Bleiben garnicht genug kriegen konnten, ging es erst nach zwei Übernachtungen mit Zwischenstopps weiter in Richtung Paradies. Erst einmal ein ehemaliges Paradies für Griechen und Römer, Ephesos, dann ein Paradies für uns, den Bafa See.
Nachdem die Zelte mit Blick auf den Bafa See standen und unser neuer Mitbewohner Meister-Esel alles für gut befunden hatte wussten wir ganz schnell: Wir sind gekommen um zu bleiben. Zumindest mal für einen sehr langen Augenblick. Die Tage am Bafa See haben uns sehr gut getan. Neben ausgiebigem Klettern, Musikmachen und Lesen konnten wir auch mal wieder mit einigen Lieben sprechen, unsere Hängematte einweihen und auf der Reise ankommen. Zudem haben wir ein inniges Verhältnis zu unseren Mitbewohnern aufgebaut. Dem Hahn und dem Esel (und nur schonmal vorweg, wir haben es nicht geschafft sie aufeinander zu setzen, in keiner Richtung). Unser guter Freund der Hahn schien tragischerweise das Augenlicht verloren zu haben. Um vier Uhr früh, während die Sonne wahrscheinlich gerade in Pakistan daran dachte über den Horizont zu spähen, hielt er es auf jeden Fall für sinnvoll direkt neben unseren Ohren zu krähen. Alle zwei Minuten, stundenlang. Da ich mich im Kampf Schlaf gegen Hahn nicht so schnell geschlagen geben wollte, flogen Steine. Ok, kleine Kieselsteine und nur gegen Blech aber er gab Ruhe. Am ersten Tag immer für zwei Stunden, am nächsten noch für eine und der Rest ist dann wohl die Geschichte vom Scheitern, Akzeptieren und einfach kampflos und zufrieden schlafen.
Nach der Abfahrt aus Bafa kamen dann erstmal einige ordentliche Fahrtage und endlich das Meer (siehe: Hands up!), wo wir erst einmal anfingen nicht für sondern gegen Bräunungsstreifen zu arbeiten.
Gezeltet wurde für gewöhnlich immer wild. Nur eine Ausnahme gab es. Nachdem sich die Sonne an einem Abend schon beinahe verabschiedet hatte beschlossen wir unsere Zelte in einem akkurat gepflanztem Waldstück aufzuschlagen. Am Eingang eines weitläufig umzäunten Geländes fanden wir sogar noch einen Pförtner, der uns natürlich erlaubte unsere Zelte vor dem Gelände aufzuschlagen. Zu unserer Verwunderung gab es praktisch keine Tiere, eine Fliege, vielleicht drei Moskitos und ein Grashüpfer waren alle, die zu finden waren. Sogar von unseren kleinen treuen Begleitern, den Ameisen, fehlte jede Spur. Morgens kam mit der Dämmerung dann die Erleuchtung: Müllwagen. Wir zelteten auf riesigen Bergen aus Müll, überdeckt mit einer Akkurat angepflanzten Schicht aus Bäumen und leichtem Gras. Amüsiert ging es also weg vom Müll und ab durch Gewächshausstädte an die Strände Antalyas. Mit türkisem Wasser, super Kletterspots, Höhlen und Klippen lässt es sich hier wunderbar aushalten. Frustriert von den zu guten Perspektiven und zu guter Bezahlung konnten wir hier zudem als deutsche Gastarbeiter Arbeit finden. Als die vielleicht ersten deutschen Gastarbeiter an einem kleinen Strand nahe Kaş verdienten wir uns mit dem Schleppen von 50 Liegestühlen unser Abendmahl und bekamen mit 1 Euro pro Stunde einen soliden Lohn.
In Olympos sind wir nun im extrem entspannten Kadirs Treehouse Hostel, gehen Klettern und Schwimmen, schauen uns Ruinen und Feuer an und erledigen so einiges an organisatorischem. Am 06.06. kriegen wir dann glücklicherweise einige Ersatzteile aus Deutschland und können mit etwas weniger Ballast in die Pedale treten. Rauf, über Antalya nach Kappadokien.

Milan – Olympos, 29.05.2014, 18.10 Uhr

So

11

Mai

2014

Istanbul - Manisa

Wege
Dass es hier keine Fahrradwege gibt, wie wir es aus Deutschland kennen, haben wir natürlich erwartet. Dass es auf der anatolischen Seite İstanbuls doch einen gibt, der über 50km lang ist und am Meer lang führt hat uns schon bei unserem letzten Aufenthalt gewundert. Aber dass der von unserem GPS Gerät deklarierter Fahrradweg einem Moountainbike-Trail gerecht wird und dann auch noch nach 2/3 der Strecke einfach aufhört, hat uns dann doch sehr überrascht. Den Belastungstest haben die Fahrräder auf jeden Fall gut überstanden und auch uns hat es Spass gemacht. Naja zumindest bis es dann auf holprigem Wege 300 Höhenmeter kontinuirlich und unplanmässıg steil bergauf ging. Seitdem sind wir etwas vorsichtiger und fahren eher auf den grossen Strassen. Die sind zwar oft nicht so schön wie die kleineren, aber man kommt wirklich gut voran!

 

Hunde

Häufig wurden wir vor Strassenhunden gewarnt, doch Meistens gab es dann keinen Grund besorgt zu sein. Nur um Bursa herum haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Dort waren die Hunde oft nicht angekettet und übermässıg aggressiv. Bei einem Ausweichmanöver ist Milan dann in den Strassengraben geraten und umgefallen. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert, ausser einem schmerzenden Knie und ein paar Schürfwunden. Wir hoffen dass es dabei bleibt!

 

Freunde

Überall wo wir halten dauert es keine 5 Minuten und wir sind von Menschen umringt, die uns Fragen stellen, Tipps geben, ein Fotos machen oder uns zum Cay einladen. Doch türkische Gastfreundschaft endet nicht beim Cay. Unsere erste Einladung stammt von Soner, İnci und ihrem Sohn Tibet. Die 3 Fahrradtourexperten haben einfach am Strassenrand gehalten, als sie mit dem Auto an uns vorbeigefahren sind und uns zu sich nach Hause eingeladen. Vielen Dank dafür! Wer sich überzeugen will, dass man auch mıt kleinen Kindern lange Radreisen machen kann, sollte unbedingt ihre website besuchen: www.minikgezgin.com

Auch in diesem Moment lassen wir uns in Manisa von den Eltern von Efe, ein Freund aus Istanbul, verwöhnen. Vor allem nach 2 Tagen Dauerregen sind wir froh endlich mal wieder alles waschen und vor allem trockenen zu können! Auch an Osman und Sibel vielen Dank!

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So

04

Mai

2014

Plovdiv - Istanbul

Plovdiv – Istanbul

 

Ja, wir haben es geschafft! Es geht los! Nachdem wir ein bisschen Spaß am Nachtleben von Plovdiv gehabt haben (Danke an Elli), sind wir am 26. April nach Istanbul gereist. Das Team Janek und Anja hatte mehr Glück an der Straße. Sie wurden mitgenommen, während Milan und Philip nach 5 Stunden an der Straße keine Lust mehr hatten und den Bus genommen haben.

 

In Istanbul haben wir 4 uns wieder getroffen sowie eine Menge alter Freunde. Benni und Anni, die wir alle aus Konstanz kennen und Zafer, Efe und die Freunde aus Istanbul, die Anja und Ich aus unsere Erasmus kennen. Wir haben also etwas gefeiert, haben uns die 1. Mai Demos angeschaut, aber vor allem eines gemacht:

 

Endlich haben wir unsere Fahrräder ausgepackt und aufgebaut! Unser ganzes Zeug ist also zusammengekommen und außer ein paar Kleinigkeiten stimmt und passt alles. Unserer Abfahrt stand nur noch der 1.Mai im Weg, an dem ganz sich ganz Istanbul im Ausnahmezustand befand. Es fuhren fast keine Metros mehr, keine Schiffe und alle möglichen wichtigen Straßen waren gesperrt. Deshalb haben wir uns also noch einen Tag geduldet und sind am 2. Mai losgefahren!

 

Nach all den Vorbereitungen war es erleichternd, endlich im Sattel zu sitzen und das zu tun, was wir ja alle 3 wirklich wollen: Fahrrad Fahren!

 

Es war super: Die neuen Fahrräder surren vor sich hin, die Solaranlage, Nabendynamo-Systeme und Navigationssystem funktionieren, wir haben perfekte Kleidung und Taschen.

 

 

 

Die erste Etappe führte uns erst mal am  Marmara Meer entlang zu einem kleinen Naturpark am Rande von Istanbul (trotzdem 86 KM von unserem Wohnort im Zentrum entfernt), wo wir campen konnten und es auch ein paar Kletterrouten gibt. Dort haben wir unsere erste Nacht im Zelt verbracht,.

 

 

 

Philip 04.05.2014

 

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So

27

Apr

2014

Anreise: Belgrad - Plovdiv

Und weiter gings zum Trampen auf die Straße. Wir haben uns jetzt in 2 Teams aufgeteilt, damit wir besser mitgenommen werden können. Getrennt sind wir also aus der Stadt rausgefahren, um uns dann mitten auf der Autobahn zwischen Belgrad und Sofia wieder zu treffen:

 

Anja und ich wurden von einem türkischen Trucker mitgenommen, der uns gleich sein Bett zur Verfügung gestellt hat und uns zum Essen in seine „mobile LKW Küche“ eingeladen hat. Wir waren also seit zwei Stunden unterwegs, als wir auf einmal Janek und Milan erblickten, die mitten auf der Autobahn, fernab von Auffahrten oder Mautstellen, gelaufen sind. Sie wurden dort von einem leeren Reisebus rausgelassen, in dem sie zuvor von Fahrer und Freunden (von denen zwei Stück Milan hießen) mit selbstgebrannten Rakija verköstigt wurden.

 

Unser Trucker fuhr zusammen mit einem Kollegen, dem er erzählt hatte, dass er Tramper mitgenommen hat. Dieser Kollege hatte also noch Platz in seinem Truck und hat Janek und Milan dann sofort mitgenommen, als er erfuhr, dass das unsere Freunde sind.

 

Deswegen sind wir also mehr oder weniger zusammen weiter nach Plovdiv gefahren, wo wir mitten in der Nacht ankamen. Wir hätten nicht erwartet, noch an dem Tag dort anzukommen, weil das doch ein ganzes Stück ist. Aber unsere Trucker hatten einfach ihre Fahrtenzähler und Geschwindigkeitsbegrenzung rausgeschraubt...

 

 

Plovdiv ist super und hat überall in der Stadt verteilt antike römische Ruinen zu bieten. Und es gibt mitten in der Stadt Felsen zum Klettern! Leider regnet es mal wieder, aber wir haben ja gerade ein Dach über dem Kopf, weil wir bei einer Freundin wohnen.

 

 Philip - Plovdiv, 26.04.2014

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Mi

23

Apr

2014

Anreise: Ljubljana - Belgrad

Die Weiterreise von Ljubljana nach Zagreb am Ostersonntag war mal wieder bei Regen. Nach zwei Stunden am Straßenrand hat uns dann ein sehr netter Trucker mitgenommen. Kurz vor der slowensichen Kleinstadt Novo Mesto an der kroatischen Grenze, hat er uns dann an einer Tankstelle rausgelassen. Auch dort war eher wenig Verkehr und wenn dann oft osterlich vollbepackte Autos. Schließlich haben wir aber ein wirklich nettes Paar gefunden, die bereit waren uns nach Zagreb mitzunehmen. Allerdings hatten sie noch eine Verabredung mit Freunden in Novo Mesto. Also haben wir uns spontan entschlossen, dieser Stadt auch noch einen Besuch abzustatten. Während der 3 Stunden dort haben wir uns die Stadt angeschaut und in einem sowohl modernen als auch antiken Cafe eine Ostertorte verspeist und den traditionellen Wein der Region, Cvicek (sprich Zwitschek), probiert. Ein lausiger Wein, der uns jedoch schnell "bezwitschekt" hat.

In Zagreb sind wir dann leider erst spät angekommen und schon früh am nächsten Morgen wieder gegangen, da es zu unserem nächstes Ziel, Sarajevo in Bosnien-Herzegowina, relativ weit war. Schon bie Grenzübertritt haben die Beamten uns prophezeit, dass niemand uns mitnehemen würde. 3 oder 4 Stunden später standen wir tatsächlich immer noch da. Ein sehr engagierter Ladenbesitzer wollte uns dann helfen einen Bus abzufangen, doch auch das war nicht erfolgreich. Um so mehr haben wir uns dann gefreut, dass Mladen, ein bosnischer Österreicher, uns mit nach Doboj nehmen wollte, wo wir zumindest einen Bus hätten nehmen können. Er hat uns dann spontan zu sich auf sein Landhaus eingeladen. Das Häuschen war mitten in der Natur auf einem Berg und man hatte dort einen genialen Ausblick auf das Umland. Wir haben dort einen sehr gemütlichen Abend verbracht und unsere Plänen geändert. Sarajevo ist verkehrstechnisch so schlecht angebunden, dass wir uns entschlossen haben, doch nicht dorthin, sondern nach Belgrad zu fahren. Denn durch Belgrad fährt alles, was in den Südosten Europas will.

Am nächsten Morgen ist dann auch Philip in Doboj angekommen. Zusammen sind wir nach Belgrad mit dem Bus gefahren. Hier sind wir nun seit gestern Abend und lassen uns treiben.

Anja - Belgrad, 23.04.2014, 19.30

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Sa

19

Apr

2014

Anreise: München - Ljubljana

Nach einem sehr gemütlichen Frühstück bei Milans Schwester und einem sehr schleppenden Start bei Kälte und Regen, haben wir es gestern Abend dann nach Ljubljana geschafft. Vielen Dank an alle, die uns dabei geholfen haben!

Die slowenische Hauptstadt hat uns mit ihrem Charme bereits eingefangen und wir bleiben hier bis morgen. Das Zentrum erinnert mich ein bisschen an Konstanz. Die vollkommen intakte und sauberer Altstadt liegt an einem gemütlichen Flüsschen, an dessen Ufer sich eine Bar an die andere reiht. Auch die Größe der Stadt ist sehr überschaubar. Trotzdem scheint es hier kein bisschen eingeschlafen. Eine ehemalige Kaserne beheimatet nun unzählige Bars, Klubs und Kunst. Dort haben wir gestern Abend schon slowenisches Bier und slowensiche live-Rockmusik kennen gelernt. Auch Straßenmusik scheint hier üblich zu sein. Und der Veggi-Kebap in verschiedenen Variationen lässt unsere Öko-Herzen höher schlagen.

Anja - Ljubljana, 19.04.2014, 16.00

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Do

17

Apr

2014

Anreise: Konstanz-München

Heute ging es nun endlich los: Die erste Etappe der Anreise von Konstanz nach Instanbul verging mit super netten Fahrer wie im Flug. Vielen Dank an dieser Stelle an Pia, den Neuseelandreisenden und Steffen fürs mitnehmen! Janek wird uns bis Istanbul begleiten und Philip in Sarajevo dazu stoßen.
Von der wunderbaren Abschiedsparty erholt, gut gestärkt und herzlich von meiner Schwester Nora und Carsten empfangen lassen wir jetzt diesen ersten Abend gemütlich ausklingen und freuen uns schon mächtig auf Ljubljana!

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Di

08

Apr

2014

Der Aufbruch naht...

Bald ist es soweit: Am 17.04.2014 geht's los! Per Anhalter wollen wir bis spätestens 27. April nach Istanbul fahren. Dort holen wir unsere Fahrräder ab, die von der Familie eines Freundes, Benni, mitgenommen werden. An dieser Stelle ein großes Dankeschön!
Wir werden dann ein paar Tage in der türksichen Metropole verbringen, um alte Freunde wiederzusehen, letzte Vorbereitungen zu treffen und die Stadt anzuschauen, bis wir uns am 1.Mai in die Sättel schwingen werden.
Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle auch an die vielen Untestützer, ohne die wir nicht mit einer so hochwertigen Ausrüstung aufbrechen könnten. Ob Räder, Solarequipment, Dynamoladegeräte, Kleidung, Zelte, Isomatten, Kocher uvm. sind wir jetzt extrem hochwertig ausgestattet.
Wir freuen uns natürlich schon riesig nächste Woche aufzubrechen und halten auf dem Laufenden!

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Do

06

Feb

2014

Re-Cycling-Eurasia Website

Es gibt natürlich noch nicht viel Interessantes zu erzählen, aber eine wichtige Neuigkeit gibt es doch: Wie ihr seht ist unsere Seite jetzt online! Hier könnt ihr uns auch gerne Kommentare, Meinungen und Ideen zukommen lassen!

In den nächsten Tagen werden wir, neben Studium und Arbeit, Kontakt zu verschiedenen Medien und Sponsoren aufnehmen. Natürlich werden wir euch darüber auf dem Laufenden halten!

Wir freuen uns schon riesig darauf Mitte April nach Istanbul aufzubrechen (ohne Flugzeug) von wo aus wir dann am 1.Mai unsere Reise mit dem Fahrrad beginnen werden.

 

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Fr

26

Sep

2014

Wir sind wieder da!

Nach einer Mittagspause in Wien, ging es am Donauradweg weiter bis nach Linz. Und von dort aus über München und das Allgäu an den Bodensee.

Wir haben uns riesig gefreut in Bregenz den See wieder zu erblicken und vor allem uns abends darin zu baden. Es war zwar schon etwas kühl, aber danach waren wir herrlich sauber!

Unsere letzte nacht haben wir in Rohrschach am Seeufer verbracht, wo wir dann um halb 12 Uhr nachts vom schweizer Ordnungsamt aus dem Tiefschlaf gerissen und aufgefordert wurden zusammenzupacken und woanders zu nächtigen.

Wildcampen ist am gesamten Bodenseeufer nicht erwünscht: Auch nicht für eine Nacht.

Das war sehr ernüchternd, haben wir doch 5 Monate lang immer ein Plätzchen gefunden, wo wir willkommen waren.

Am Mittag den 20.09. war es dann soweit: Wir waren wieder in Konstanz!

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diese Reise machen konnten und gleichzeitig freuen wir uns wieder in der Heimat zu sein und genießen den Komfort von Bett und Dusche.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns auf dieser Tour unterstützt und begleitet haben. Es war großartig!

 

Anja - Müllheim, 26.09.2014

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Di

16

Sep

2014

Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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Mi

03

Sep

2014

Ukraine, Moldawien und Rumänien

Nach 3 Tagen Schifffahrt und Sträflingskost (Gut, ein paar Sachen waren in Ordnung, das Frühstück zum Beispiel) sind wir endlich in der Ukraine angekommen. In Odessa sind wir bei couchsurfern untergekommen, die uns auch gleich die Stadt gezeigt haben. Odessa ist super schön! Überall herrscht Urlaubsgefühl, in der Fußgängerzone sind Straßenmusiker, Essensstände und vor allem angenehme Temperaturen! Ja, es ist wirklich angenehm kühl geworden, so 25° vielleicht.

 

Weil uns mittlerweile so viele Leute darauf angesprochen haben: Man spürt überhaupt nicht, dass in dem Osten der Ukraine Krieg herrscht. In Odessa gab es keine Kampfhandlungen, nur vor 3 Monaten gab es eine Demonstration, die gewaltvoll endete. Unsere Gastgeberin meinte dazu nur: Das waren keine Leute aus Odessa, in Odessa sind alle glücklich, weil die Stadt am Meer liegt.

 

Einzig Plakate, die zu Spenden für die Armee aufrufen, und ein paar Panzer in der Grenzregion zu Moldawien und Transnistrien, erinnern an die politische Situation der Ukraine.

 

Uns hat es auf jeden Fall gut gefallen, wir sind viel rumgelaufen, haben Gebäude angeschaut und Kraft getankt.

 

 

 

Denn die nächsten Tage waren anstrengend. Wir haben uns mit Milans Freund Niklas in Brasov, Rumänien verabredet und mussten uns beeilen. Deshalb sind wir viel gefahren, meist etwa 120 km pro Tag. Die Landschaft hat uns hierbei aber geholfen, denn es ist relativ flach, sanft wellig vielleicht, nachdem wir von der Ukraine nach Moldawien eingereist sind. Den kleinen Staat haben wir von Ost nach West durchquert. In Moldawien sprechen die Menschen eine dem rumänischen sehr ähnliche Sprache, aber russisch wird auch noch verstanden.

 

 

 

Nach nur 3 Tagen in Moldawien sind wir dann nach Rumänien und damit zurück in die EU eingereist!

 

Die EU hat uns aber an dieser Grenze eher etwas verschlafen und alles andere als modern empfangen. Der Osten von Rumänien ist sehr ländlich geprägt und in manchen Teilen sind wir mehr Pferdekutschen als Autos begegnet. Das hat uns sehr gefallen, der Zustand der Straßen aber eher weniger. Manchmal fanden wir uns auf einem Feldweg wieder.

 

Wir haben es aber dann halbwegs pünktlich nach Brasov geschafft, wo wir Niklas samt Auto, Fahrrad und Hund getroffen haben.

 

 

 

Dort haben wir uns für einige Tage aufgeteilt. Milan und Niklas verbringen einige Zeit in der Nähe von Brasov und fahren dann mit dem Auto nach Budapest, von wo aus Milan auf dem Donauradweg nach München fährt.

 

 

 

Anja und Ich sind für ein paar Tage in den Karpathen Klettern gegangen, was wunderschön war.  Jetzt fahren wir durch Transsilvanien mit dem Fahrrad nach Budapest und von da auch auf den Donauradweg.

 

 

 

Am 19. September (so weit man das planen kann) treffen wir uns dann in München wieder und fahren zusammen heim.

 

 

 

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Do

28

Aug

2014

Georgien

 

Nach einigen letzten Kilometern entlang des Debed und vorbei an Stätten hinreißender Industrieromantik ging es dann auf direktem Wege nach Tiflis.

 

 

Dort ging es ins Travel House, über das ich ein paar Worte verlieren muss. Ins Leben gerufen von TheTravelClub.org, einem serbischen Forum für Reisende, wurden nun zum dritten mal durch Crowdfunding spenden gesammelt, um für 2 Monate ein Appartement zu mieten, in dem Reisende gegen eine kleine Spende für Strom und Wasser willkommen geheißen werden. In einem großen bunten Matratzenlager kommen so viele gleichgesinnte zusammen und teilen beim Kochen, Musik machen und feiern gehen Rezepte, Erfahrungen und das ein oder andere Bier.

 

 

Für Philip und Anja ging es nach einer Nacht weiter in die Berge nach Kazbegi, mich hat es für ein paar Tage in dem neuen zu Hause gehalten um zu versuchen eine Schiffsreise nach Boston zu ergatttern und in Tiflis einzutauchen.

 

 

Tiflis hat mich schnell begeistert. Die Stadt war lebendig und doch sehr entspannt. Es gab eine bunte Mischung aus modernen und fein restaurierten sowie alten, verwinkelten Gebäuden. Viele Orte zum entspannen, Kaffee trinken, Wein probieren oder den Blick über die Stadt schweifen lassen. Nachts gab es ein großes angebot an Theater, Konzerten und viele Bars und Clubs.

 

Außerdem gab es ähnlich wie im Gezi-Park, nur ein kleines bisschen kleiner, ein Camp von Einheimischen und Reisenden, mit dem gegen die Bebauung der Städtischen Grünflächen durch einen Hotellandschaft protestiert wurde. Es war ein sehr gastfreundlicher und entspannter Haufen, jeder war willkommen sein Zelt aufzustellen und es wurde alles geteilt. Auch Erfahrungen, und so wurde aus dem kurzen Besuch ein langer, sehr schöner Abend.

 

 

Weiteres Highlight von Tiflis ist laut vielen Berichten und Reiseführern der Besuch eines der vielen Schwefelbäder. Um eine möglichst authentische Erfahrung zu machen entschied ich mich für das konventionelle öffentliche und eine echte Erfahrung wurde es auch. Männer und Frauen besuchen die öffentlichen Bäder getrennt und unbekleidet. Und so ging es für mich rein in das Abenteuer Badehaus, das aus vielen Duschen, einer Sauna und dem Schwefelbad selbst bestand. Nicht in Reiseführern stand, dass das Orbeliani Badehaus ein inoffizieller Treffpunkt für homosexuelle ist und die Annäherungsversuche etwa so zurückhaltend sind wie Vodkaangebote in Armenien. Der Besuch war also kurz und endete in einer Flucht. Es war aber zumindest im Nachhinein sehr amüsant, es hat mich gefreut, dass es in einer sonst für homosexuelle eher weniger offen wirkenden Gesellschaft Orte wie diese gibt und es wird mir sicher lebhafter in Erinnerung bleiben als es ein schnöder Besuch eines konventionellen Sulfurbads geblieben wäre.

 

 

 

Zwischendrin ging es noch für einen Abstecher zu Philip und Anja in die Berge nach Kazbegi, wo wir gemeinsam hoch zum Gletscher des Kazbeg stiegen und einen sehr entspannten und erfrischenden Tag oben in den Bergen verbrachten.

 

 

Nach Tiflis haben wir drei uns dann nördlich von Tiflis wieder getroffen und haben die wunderschöne Fahrt Richtung Poti angetreteten, wo unsere Fähre nach Odessa abfuhr. Die Fahrt ging vorwiegend über kleine Straßen und ländliche Gebiete, vorbei an vielen schön verzierten, kleinen Landhäuschen. Nach zwei nächten am Strand vor Poti freuten wir uns dann schon richtig auf die Fähre, Odessa ich natürlich schon sehr auf das dazustoßen von Niklas, einem alten Schulfreund, in Rumänien. Und so ging es mit durchgehend knapp 19 Km/h in ca. 55 Stunden vorbei an Sevastopol in das wunderbar sommerliche Odessa.

 

Milan - Schwarzes Meer, in der naehe von Sevastopol - 18.08.2014, 22.30 Uhr

 

Sa

16

Aug

2014

Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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Mo

28

Jul

2014

Iran

Der Iran ist in vieler Hinsicht eine der besondersten Länder auf unserer Reise. Nicht nur weil wir im Iran am weitesten weg sind von unserer Heimat.

 

Vor allem aber hört man dann doch sehr viele für uns sehr fremde und unverständliche Dinge aus dem Iran. (Kopftuchgebot, Rechtsprechung nach der Scharia,  usw...) Aber um es schon mal vorweg zu nehmen: Wir haben ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht und können den Iran als Reiseziel nur empfehlen!

 

Unsere Einreise in den Iran war dann aber doch eher chaotisch. Neue Währung, deren Wechselkurs nicht klar ist (auf der Strasse bekommt man um einiges mehr als in offiziellen Wechselstuben), Alles Geld muss man bar mitnehmen (Der Iran ist vom internationalen Finanzmarkt abgeschlossen, man kann also kein Geld abheben), andere Kleiderordnung (Anja muss mit Kopftuch fahren, und mit komplett langen Klamotten, Milan und Ich sind mit langen Hosen gefahren).

An unserem zweiten Tag im Iran sind wir also in unserem Islam-konformen Outfit auf der Straße unterwegs, als uns auf einmal ein Fahrradfahrer mit einem warmshowers.com T-Shirt entgegenkommt. (warmshowers.com ist genau wie couchsurfing ein Netzwerk, bei dem man Freunde finden kann, bei denen man übernachtet wenn man auf Reisen ist. warmshowers ist aber spezielle für Fahrradfahrer)

 

Der Mann stellt sich als Akbar vor und schenkt uns allen eine Limonade. Schon hier waren wir überrascht, dass er genau drei Stück dabei hat. Er hat außerdem 3 Fotoalben dabei, in denen nur Fotos von Tourenradfahrern sind. Hunderte von Fotos von Radlern aus aller Welt, zu allen Jahreszeiten, mit den aussergewöhnlichsten Rädern und alle hat Akbar getroffen und ein Foto mit ihnen gemacht. Diese Strasse durch den Iran ist nämlich eine Engstelle für alle Fahrradfahrer, die nach Indien, China oder Südostasien wollen. Durch Syrien und den Irak will niemand fahren und durch Russland fahren die wenigsten. Akbar erzählt uns, dass er in 27 Monaten 385 Fahrradfahrer getroffen hat. Es gibt hier nämlich ein ganzes Netzwerk von warmshowers usern. Akbar hat Freunde entlang der Strasse, die ihn anrufen, sobald sie Tourenradler sehen. Deswegen ist er uns entgegengefahren. Er hilft ihnen dann, private Unterkünfte zu finden, zeigt ihnen Plätze wo man Zelte aufstellen kann und gibt vor allem jedem einen Zettel mit Namen und Telefonnummern von warmshowers Freunden aus allen größeren Städten im Iran. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und die Leute wissen sofort bescheid, wenn man sich bei Ihnen meldet. Wir zum Beispiel sind nach Tabriz weiter gefahren, wo wir dann von dem nächsten warmshowers Mitglied Hamed empfangen wurden. Hamed hat uns zum Zeltplatz geführt (In jeder Stadt im Iran gibt es einen Stadtpark, wo man Zelten kann, denn die Iraner lieben Campen und Picknicken über alles.), hat uns durch die Stadt geführt, gezeigt wo wir Essen finden und uns eine Menge über sich und das Leben im Iran erzählt.

 

Also wir uns entschieden haben, einen Ausflug nach Isfahan mit dem Bus zu machen, hat er außerdem organisiert, dass wir unsere Fahrräder bei einem Freund unterstellen können und hat uns zum Bus begleitet.

 

Nach 2 Monaten Türkei dachten wir eigentlich, dass das Maximum an Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft erreicht ist, aber wir haben uns eines besseren belehren lassen.

 

Nachdem wir aus Isfahan zurück kamen, haben wir uns mit den Freunden von Hamed (Mesut und Mehrdad) getroffen, die uns zum Picknick in den Stadtpark eingeladen haben.

 

 Unsere Route Richtung Armenien hat uns die ersten Kilometer wieder auf die Strasse, aus der wir kamen, geführt, so dass wir wieder an Marand (der Stadt, in der Akbar wohnt) vorbei kamen. Wir fahren also wie immer, als uns aus einem vorbeifahrenden Auto ein Foto entgegenwinkt - ein Foto von uns mit Akbar. Hamed hat nämlich in der zwischenzeit Akbar angerufen, ihm Bescheid gesagt, dass wir vorbei kommen und Akbar hat seine Spione auf der Strasse losgeschickt. Also werden wir zu Akbar eskortiert, der schon eine Übernachtung bei einer iranischen Familie für uns organisiert hat. Das warmshowers-Netzwerk kann es wirklich mit der NSA aufnehmen.

 

Nachdem wir nun einige Zeit mit jungen Iranern zu tun hatten, war es interessant einen Einblick in eine ganz normale iranische Familie zu bekommen. Wie immer wurden wir mit einer riesigen Gastfreundschaft empfangen, es wurde gekocht und wir haben uns mit den Eltern und den Kindern unterhalten und Mensch-Ärger-Dich-Nicht gespielt. (Heisst im Iran witzigerweise einfach nur MENSCH).

 

Zuhause bei der Familie hat niemand Kopftuch getragen, es wurde nicht gebetet und auch nicht gefastet (es ist immer noch Ramadan). Wieder einmal wurde uns klar, dass die von der Regierung vorgeschriebenen muslimischen Gesetze nicht die Meinung der Bevölkerung wiederspiegelt. Es mag von außen so aussehen, weil alle ein Kopftuch tragen und bei Ramadan nicht auf der Straße gegessen wird, aber zuhause darf jeder noch machen was er will. Und das ist in vielen Fällen nicht ein religiöses Leben zu führen.

 

Thema Kopftuch: Wir haben im Iran mehr Kopftücher gesehen als im Osten der Türkei. Das lag aber vor allem daran, dass allgemein mehr Frauen auf der Straße waren. Wir hatten auch das Gefühl, dass Frauen sich freier und unbeschwerter Verhalten. Wir können uns nicht daran erinnern, dass Milan oder Ich in der Osttürkei von Frauen angesprochen wurden. Im Iran ist uns das mehrmals passiert.

 

Wir sind übrigens in der ganzen Zeit keinem religösem Eiferer und allgemein wenig Mullahs begegnet. Das Bild vom Iran als Nation voller fanatischen Islamisten gehört eindeutig in die Katogerie der Trugbilder. Die Regierung mag es durch die Medien so wirken lassen, aber die Bevölkerung ist unserer Erfahrung nach keineswegs so verbohrt und konservativ. Für den Iran hat der Unterschied zwischen der Regierung und der Bevölkerung leider die Konsequenz, dass sehr viele jungen, gut ausgebildete Menschen den Iran verlassen.

 

 

 

Auch deswegen konnten wir die Zeit im Iran sehr geniessen, haben einen Kurztrip nach Isfahan mit dem Bus gemacht  (Wegen unserer Visas hätte die Zeit nicht mehr ausgereicht, mit dem Fahrrad zu fahren), wo wir einige der wichtigsten islamischen Bauwerke der Welt gesehen haben und uns in die Gässchen des Bazars geschlagen haben. Es gab zum Beispiel ein Zimmer in einem Palast, wo man sich in die gegenüberliegenden Ecken stellen konnte, die Wand angucken und sich zuflüstern. Die Formen des Zimmers haben die Geräusche so weitergegeben, dass sie genau in der gegenüberliegenden Ecke verstärkt ankamen. Das fühlt sich ein bisschen an wie ein antikes Telefon.

 

Nach 11 wundervollen Tagen im Iran sind wir gestern (mittlerweile schon vor 3 Tagen) über die armenische Grenze gefahren und fahren jetzt Richtung Kaukasus.

 

Philip - Goris (Armenien), 28.09.2014

 

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So

13

Jul

2014

Diyarbakir - Dogabeyazit

Nachdem Anja und Milan in Diyarbakir krank waren, haben wir uns wieder in die Hitze gestürzt. Bei 42° im Schatten folgtem wir dem Tigris. (Die Bibelfesten unter uns kennen den Fluss wahrscheinlich).

 

Nach einem Tag Fahrt war dann aber Ich an der Reihe mit Reisekrankheit. Nachdem wir die Nacht bei einer super netten Bauernfamilie verbracht hatten, ging es am nächsten Tag nur eine Stunde mit dem Fahrrad fahren. Wir haben uns den nächstbesten Schatten gesucht und von 9 Uhr morgens bis halb 6 abends ¨Mittagspause¨ gemacht. Da mir speiübel war und es selbst Nachts nicht wirklich abkühlte, schleppten wir uns eher in die nächste Stadt, Batman, als dass wir wirklich fuhren. 

 

Dort gab es aber eine Herberge, sodass ich mich auskurieren konnte und wir danach dem ¨Tal der Hölle¨ in die Berge entfliehen konnten. Wir fuhren ein enges Flusstal hoch in die Berge und es wurde mit jedem Höhenmeter spürbar kühler. Nach 2 Tagen bergauf kamen wir am Va7n-See an, wo wieder humane Temperaruren um die 28° herrschten.

 

Lustig gestaltet sich mittlerweile unsere Essenssuche. Da gerade Ramadan ist, verzichten alle religiösen Muslime tagsüber auf Essen und Trinken. Und das sind in den Dörfern und den meisten Städten fast alle. Um Essen zu organisieren, sind wir auf die Hinweise von Leute vor Ort angewiesen, weil Restaurants und alles ähnliche geschlossen sind. Wir müssen uns also etwas mit jemanden anfreunden, um dann verschwörerisch nach Essen zu fragen. Mit etwas Glück zwinkert uns unser neuer Freund mit einem Auge zu und wir folgen ihm durch ein Gewirr von Gassen durch die Hintertür eines kleinen Internetcafés in eine kleine Wohnung, wo im hintersten Zimmer ein großer Topf steht und ein paar Menschen heimlich Essen servieren. So geschehen in der Stadt Bitlis. (Noch ein kleiner Hinweis: Auch in der Osttürkei ist Essen und Trinken während Ramadan nicht offiziell verboten oder ähnliches. Jeder darf selbst entscheiden, ob er Ramadan macht oder nicht. Aber nach unserer Erfahrung tut es so gut wie jeder. Deshab fühlt es sich ein bisschen we Drogen Dealen an.)

 

Im Moment sind wir in Dogabeyazit, direkt neben dem berühmten Berg Ararat (der nächste Bekannte aus der Bibel), nachdem wir einen Tag durch das bergige Grenzgebiet zwischen Türkei und Iran gefahren sind. Abends auf 2600 Meter Höhe haben wir es genossen, endlich mal wieder ein klein wenig zu frieren.

 

Heute Abend schauen wir das Deutschland Spiel und morgen früh geht es dann in den Iran!  Wir sind total gespannt darauf!

 

Wahrscheinlich wird es aber etwas dauern, bis der nächste Blogeintrag gespostet wird.  Dafür gibt es bald das zweite Video anzugucken unter Video.

Viel Spaß dabei!

 

 

 

Philip - Dogabeyazit, 13.07.2014

 

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So

06

Jul

2014

Göreme - Nemrut

Und raus ging es. Die nächste Etappe führte uns raus aus Göreme und den beeindruckenden Höhlen Kappadokiens, hoch auf den beeindruckenden Nemrut Dagi.

 

Aber nicht zu schnell. Erstmal ging es gute 500m nach der Abfahrt gleich wieder rein in Höhlen, diesmal aber bepackt mit Schlafsack und Isomatte. Beeindruckt sind wir nach etwas Suche in eine byzantinische Kirche aus dem 11. Jh. gerannt, natürlich mit anliegender Küche, Esszimmer und einigen Vorzimmern. Nach Speis, Trank und Höhlentanz hätte die Nacht am Althar nicht gemütlicher sein können. Bis wir dann um 5.30 Uhr von immer näher kommenden Stimmen und einem scheinbaren Hochdruckreiniger geweckt wurden. Etwas verwirrt lagen wir noch eine Weile unterm Kreuz bis uns dann endlich, naja, ein Ballon aufging. Direkt vor unserem Höhleneingang schaute uns aus 30m entfernung eine 20 köpfige Touristengruppe aus dem Korb eines Heißluftballons an und war wohl ungefährt so überrascht über uns Kirchenbewohner wie wir über ihren Heißluftballon. Sehr amüsiert und euphorisch entdeckten wir dann, dass die Postkartenfotos von Kappadokien nicht Photoshop entspringen und blickten in einen Himmel übersäht mit Heißluftballons. 

 

 

Nachdem wir dann endgültig die Abfahrt aus Kappadokien geschaft hatten, ging es mehrere Tage durch die Berge, über Kayseri und Pinarbasi nach Malatya. Dort hatten wir einen super Host von Couchsurfing und konnten mit seiner Hilfe viele Erledigungen machen. Re-Cycling-Eurasia Visitenkarten wurden gedruckt, eine Computertastatur mit Adapter zum Anschluss ans Handy besorgt und endlich das 1. Video hochgeladen. Außerdem sind Philip und ich mit dem Bus nach Trabzon und konnten endlich unser Iran-Visum bekommen!

 

 

Nach Malatya ging dann die Fahrt Richtung Nemrut Dagi los. In zwei Tagen ging es durch Berglandschaften, die immer spektakulärer wurden, hoch auf den 2150m hohen Gipfel. Der Peak mit sehr großen Statuen von Antiochros I. Theos und verschiedenen Gottheiten sollte sein Grab und heilige Stätte einer neuen Religion sein, die persische und griechische Mythologie vereinigte. Für uns war es auf jeden Fall ein beeindruckender Ort in Mitten des Taurusgebirges und ein Frühstücksplatz den man sich nicht schöner denken könnte.

 

 

Und nun noch ein paar Worte zu den herausforderungen des möglichst nachhaltigen Reisens. Unsere Ziele werden mittlerweile immer realer und wir können schon einige zuversichtliche Annahmen machen. Ausführliche Erfahrungsberichte mit Videos folgen später auf den Themenseiten.

 

 

Der Kampf gegeben die Plastiktüten war wie so mancher für Grünschnäbel zu Anfang ein schwerer. Aber mit Migros Stofftaschen und wachem Kopf lässt er sich mittlerweile doch ganz gut gewinnen und wir schaffen es die meisten listigen Verkäufer auszutricksen. Dazu zwei kurze Anekdoten: Als wir vier Stofftaschen bei Migros an der Kasse kaufen waren, die dort natürlich hängen damit weniger Plastiktüten gekauft werden, kamen die sechs Schokoriegel die wir auch auf dem Band liegen hatten – wohin? – natürlich in eine Plastiktüte.

 

Und in einem Dorf kurz darauf wurde ein junger Verkäufer sogar tatsächlich sauer, weil wir seine Plastiktüten nicht nehmen wollten. Mit ähnlichen Erfahrungen enstand so der Eindruck, dass der Titel Kampf gegen die Plastiktüten doch mehr als gerechtfertigt wäre.

 

Da die Türkei auch Land der Brunnen genannt werden könnte, stellt die Versorgung mit sauberem Trinkwasser überhaupt keine Probleme dar. Die ersten Wochen haben wir trotzdem ausgiebig gefiltert und können so schon mal sicher sagen, dass wir wohl auch im Land der Sümpfe ohne Probleme überleben würden. Für trockene Strecken haben wir zudem Wassersäcke, auch das ist also kein Problem, die dann abends als Duschen fungieren.

 

 

Die Energieversorgung funktioniert  nach etwas probieren nun auch schon sehr gut. Unser Ziel sieht wie folgt aus: Wir wollen bis zum Ende der Reise all unsere eigenen Geräte nur mit „selbst“ erzeugtem Strom versorgen. Der Laptop hängt gerade an den Pufferakkus, diese wiederum an den Solarpanels und während der Fahrt können wir zudem unsere USB-Geräte an den Nabendynamos Laden. Genaue Testwerte und Erfahrungsberichte dazu kommen etwas später nachdem wir noch ein Multimeter aus Deutschland bekommen. Das erklärte Ziel sind wir aber sehr zuversichtlich erreichen zu können und müssen dabei lediglich die Videobearbeitung teilweise hinten anstellen.

 

 

Nun blicken wir alle schon mit Vorfreude dem Iran entgegen. Eine neue Sprache, lange Hosen, andere Nummernschilder und laut Reiseberichten eines der Gastfreundschaftlichsten Völkchen der Welt. Ach und natürlich Ramadan.

 

 

 

Milan - Batman, 06.07.2014, 18.40 Uhr

Mi

18

Jun

2014

Olympos - Kapadokya

Nach 12 Tagen Pause in Olympos sind wir Richtung Kappadokkien im zentralanatolischen Hochland aufgebrochen. Für uns hat das bedeutet, Abschied vom Meer zu nehmen und unseren ersten hohen Bergpass zu überqueren.

 

Doch der Reihe nach:

In Olympos hatten wir nämlich eine wirklich wundervolle Zeit. Denn Olympos hat nicht nur historisch und landschaftlich viel zu bieten, sondern ist vor allem für seine Kletterspots bekannt. Der kleine Ort, in dem sich ein Baumhaus-Hostel an das nächste reiht, liegt direkt am Meer am Fuße des namensgebenden Berges Olympos. Strand und Felsküste wechseln sich hier ab. Also perfekt zum relaxen, Panoramaklettern und deep-water-soloing/Klippenspringen.

Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Täglich sind wir mit unserer Kletterausrüstung losgezogen, bis wir schließlich überall zerkratzt und mit geschundenen Händen unsere Kletterausrüstung für den Rücktransport nach Deutschland Feunden übergeben haben.

Doch selten sind wir alleine geklettert. In unserem Hostel, aber auch beim Klettern haben wir schnell viele Leute kennen gelernt, die wir am Liebsten in unsere Reisegepäck gepackt und mitgenommen hätten!

 

Mit neuer Kraft und neuen Ritzeln sind wir dann am 7.Juni, etwas später als ursprünglich geplant, aufgebrochen. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns dabei geholfen haben die Fahrradteile zu besorgen und einzubauen.

Nach ein paar flachen Metern ging es dann erst einmal 3 Tage mehr oder weniger kontinuierlich bergauf. Durch wunderschöne, sehr spärlich besiedelte Natur. Damit einhergehend wurde auch die Versorgung mit Wasser und Essen deutlich schlechter, die Zeltplätze dafür umso schöner.

Kurz vor dem Pass auf 1825m wurden wir dann von einem Gewitter mit heftigem Regen und Hagel überrascht. Natürlich gab es dort weit und breit nichts zum unterstellen und zu Essen hatten wir auch nicht mehr viel. Doch die Plastiktüte, welche unsere restlichen Brote vor dem Regen schützen sollte, hat dicht gehalten und am nächsten Morgen konnten wir schon nach wenigen Kilometern eine Tankstelle ansteuern.

Weiter ging es dann auf der Seidenstraße Richtung Osten. Durch eine endlose Ebene vorbei an alten Karawansereien bis wir am 15.Juni Kappadokkien erreicht haben.

 

Hier in Göreme verbringen wir unsere Tage mit Sightseeing und Videobearbeitung. Die seltsamen Felsformationen, des weichen Vulkangesteins, in welches Menschen schon seit Jahrhunderten ihre Häuser graben/bauen ist wirklich einzigartig. Das moderne Stadtbild verkörperte eine eindrucksvolle Verschmelzung von Architektur und Natur. Auch die historischen Stätten sind beeindruckend. Im Open Air Museum konnten wir eine in Stein gehauene christliche Klosterstadt bestaunen. Und ein paar Kilometer weiter in Kaymakli sogar eine Stadt, welche sich komplett unter der Erde befindet und ein paar tausend Leute fassen konnte. Diese wirklich ausgeklügelte 8-stöckige Stadt diente als Versteck vor Feinden, vor allem Christen zu Zeiten der Verfolgung, und bot alles, was man zum Leben, Lagern von Lebensmitteln und der Weinherstellung brauchte: Grundwasserbrunnen bis 120m in die Tiefe, Lüftungssysteme, welche selbst den Rauch der Holzfeuer quasi unsichtbar an die Oberfläche transportiert hat und eine konstante Temperatur von ca. 17°C.

 

Heute Nachmittag noch wollen wir wieder aufbrechen. Vorbei am Nemrut-Berg und dem Van-See an die iranische Grenze. Doch wahrscheinlich müssen wir noch einen Abstecher mit dem Bus nach Trabzon ins iranische Konsulat machen. Denn Philip und Milan haben ihr Visum nach 2-maligem beantragen und 3-monatiger Wartezeit immer noch nicht.

 

Anja – Göreme - 18.06.2014.

 

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Do

29

Mai

2014

Manisa - Olympos

Und die Reise ging weiter. Unsere nächsten Etappen führten uns über Berge, sehr viele Berge, sogar verschiedene Berge aber dazu später mehr. In diesem Beitrag wollen wir ein bisschen von all den kleinen und großen Begegnungen und Erlebnissen berichten, einige natürlich statistisch belegbare Eindrücke niederschreiben und im nächsten dann über unsere Ziele sprechen und ob sie Ziele bleiben müssen.

Verwöhnt wie kleine Kaiser ging es nach zwei Nächten in Manisa in strahlender Sonne auf in Richtung Izmir zum nächsten Gastgeber, diesmal über warmshowers.org. Izmir ist sehr modern und lebendig. Und neben vielen jungen Leuten, einer großen Barszene und grünen Uferpromenade gab es, siehe da, sogar Fahrradstationen die rege genutzt wurden! Da wir vom Bleiben garnicht genug kriegen konnten, ging es erst nach zwei Übernachtungen mit Zwischenstopps weiter in Richtung Paradies. Erst einmal ein ehemaliges Paradies für Griechen und Römer, Ephesos, dann ein Paradies für uns, den Bafa See.
Nachdem die Zelte mit Blick auf den Bafa See standen und unser neuer Mitbewohner Meister-Esel alles für gut befunden hatte wussten wir ganz schnell: Wir sind gekommen um zu bleiben. Zumindest mal für einen sehr langen Augenblick. Die Tage am Bafa See haben uns sehr gut getan. Neben ausgiebigem Klettern, Musikmachen und Lesen konnten wir auch mal wieder mit einigen Lieben sprechen, unsere Hängematte einweihen und auf der Reise ankommen. Zudem haben wir ein inniges Verhältnis zu unseren Mitbewohnern aufgebaut. Dem Hahn und dem Esel (und nur schonmal vorweg, wir haben es nicht geschafft sie aufeinander zu setzen, in keiner Richtung). Unser guter Freund der Hahn schien tragischerweise das Augenlicht verloren zu haben. Um vier Uhr früh, während die Sonne wahrscheinlich gerade in Pakistan daran dachte über den Horizont zu spähen, hielt er es auf jeden Fall für sinnvoll direkt neben unseren Ohren zu krähen. Alle zwei Minuten, stundenlang. Da ich mich im Kampf Schlaf gegen Hahn nicht so schnell geschlagen geben wollte, flogen Steine. Ok, kleine Kieselsteine und nur gegen Blech aber er gab Ruhe. Am ersten Tag immer für zwei Stunden, am nächsten noch für eine und der Rest ist dann wohl die Geschichte vom Scheitern, Akzeptieren und einfach kampflos und zufrieden schlafen.
Nach der Abfahrt aus Bafa kamen dann erstmal einige ordentliche Fahrtage und endlich das Meer (siehe: Hands up!), wo wir erst einmal anfingen nicht für sondern gegen Bräunungsstreifen zu arbeiten.
Gezeltet wurde für gewöhnlich immer wild. Nur eine Ausnahme gab es. Nachdem sich die Sonne an einem Abend schon beinahe verabschiedet hatte beschlossen wir unsere Zelte in einem akkurat gepflanztem Waldstück aufzuschlagen. Am Eingang eines weitläufig umzäunten Geländes fanden wir sogar noch einen Pförtner, der uns natürlich erlaubte unsere Zelte vor dem Gelände aufzuschlagen. Zu unserer Verwunderung gab es praktisch keine Tiere, eine Fliege, vielleicht drei Moskitos und ein Grashüpfer waren alle, die zu finden waren. Sogar von unseren kleinen treuen Begleitern, den Ameisen, fehlte jede Spur. Morgens kam mit der Dämmerung dann die Erleuchtung: Müllwagen. Wir zelteten auf riesigen Bergen aus Müll, überdeckt mit einer Akkurat angepflanzten Schicht aus Bäumen und leichtem Gras. Amüsiert ging es also weg vom Müll und ab durch Gewächshausstädte an die Strände Antalyas. Mit türkisem Wasser, super Kletterspots, Höhlen und Klippen lässt es sich hier wunderbar aushalten. Frustriert von den zu guten Perspektiven und zu guter Bezahlung konnten wir hier zudem als deutsche Gastarbeiter Arbeit finden. Als die vielleicht ersten deutschen Gastarbeiter an einem kleinen Strand nahe Kaş verdienten wir uns mit dem Schleppen von 50 Liegestühlen unser Abendmahl und bekamen mit 1 Euro pro Stunde einen soliden Lohn.
In Olympos sind wir nun im extrem entspannten Kadirs Treehouse Hostel, gehen Klettern und Schwimmen, schauen uns Ruinen und Feuer an und erledigen so einiges an organisatorischem. Am 06.06. kriegen wir dann glücklicherweise einige Ersatzteile aus Deutschland und können mit etwas weniger Ballast in die Pedale treten. Rauf, über Antalya nach Kappadokien.

Milan – Olympos, 29.05.2014, 18.10 Uhr

So

11

Mai

2014

Istanbul - Manisa

Wege
Dass es hier keine Fahrradwege gibt, wie wir es aus Deutschland kennen, haben wir natürlich erwartet. Dass es auf der anatolischen Seite İstanbuls doch einen gibt, der über 50km lang ist und am Meer lang führt hat uns schon bei unserem letzten Aufenthalt gewundert. Aber dass der von unserem GPS Gerät deklarierter Fahrradweg einem Moountainbike-Trail gerecht wird und dann auch noch nach 2/3 der Strecke einfach aufhört, hat uns dann doch sehr überrascht. Den Belastungstest haben die Fahrräder auf jeden Fall gut überstanden und auch uns hat es Spass gemacht. Naja zumindest bis es dann auf holprigem Wege 300 Höhenmeter kontinuirlich und unplanmässıg steil bergauf ging. Seitdem sind wir etwas vorsichtiger und fahren eher auf den grossen Strassen. Die sind zwar oft nicht so schön wie die kleineren, aber man kommt wirklich gut voran!

 

Hunde

Häufig wurden wir vor Strassenhunden gewarnt, doch Meistens gab es dann keinen Grund besorgt zu sein. Nur um Bursa herum haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Dort waren die Hunde oft nicht angekettet und übermässıg aggressiv. Bei einem Ausweichmanöver ist Milan dann in den Strassengraben geraten und umgefallen. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert, ausser einem schmerzenden Knie und ein paar Schürfwunden. Wir hoffen dass es dabei bleibt!

 

Freunde

Überall wo wir halten dauert es keine 5 Minuten und wir sind von Menschen umringt, die uns Fragen stellen, Tipps geben, ein Fotos machen oder uns zum Cay einladen. Doch türkische Gastfreundschaft endet nicht beim Cay. Unsere erste Einladung stammt von Soner, İnci und ihrem Sohn Tibet. Die 3 Fahrradtourexperten haben einfach am Strassenrand gehalten, als sie mit dem Auto an uns vorbeigefahren sind und uns zu sich nach Hause eingeladen. Vielen Dank dafür! Wer sich überzeugen will, dass man auch mıt kleinen Kindern lange Radreisen machen kann, sollte unbedingt ihre website besuchen: www.minikgezgin.com

Auch in diesem Moment lassen wir uns in Manisa von den Eltern von Efe, ein Freund aus Istanbul, verwöhnen. Vor allem nach 2 Tagen Dauerregen sind wir froh endlich mal wieder alles waschen und vor allem trockenen zu können! Auch an Osman und Sibel vielen Dank!

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So

04

Mai

2014

Plovdiv - Istanbul

Plovdiv – Istanbul

 

Ja, wir haben es geschafft! Es geht los! Nachdem wir ein bisschen Spaß am Nachtleben von Plovdiv gehabt haben (Danke an Elli), sind wir am 26. April nach Istanbul gereist. Das Team Janek und Anja hatte mehr Glück an der Straße. Sie wurden mitgenommen, während Milan und Philip nach 5 Stunden an der Straße keine Lust mehr hatten und den Bus genommen haben.

 

In Istanbul haben wir 4 uns wieder getroffen sowie eine Menge alter Freunde. Benni und Anni, die wir alle aus Konstanz kennen und Zafer, Efe und die Freunde aus Istanbul, die Anja und Ich aus unsere Erasmus kennen. Wir haben also etwas gefeiert, haben uns die 1. Mai Demos angeschaut, aber vor allem eines gemacht:

 

Endlich haben wir unsere Fahrräder ausgepackt und aufgebaut! Unser ganzes Zeug ist also zusammengekommen und außer ein paar Kleinigkeiten stimmt und passt alles. Unserer Abfahrt stand nur noch der 1.Mai im Weg, an dem ganz sich ganz Istanbul im Ausnahmezustand befand. Es fuhren fast keine Metros mehr, keine Schiffe und alle möglichen wichtigen Straßen waren gesperrt. Deshalb haben wir uns also noch einen Tag geduldet und sind am 2. Mai losgefahren!

 

Nach all den Vorbereitungen war es erleichternd, endlich im Sattel zu sitzen und das zu tun, was wir ja alle 3 wirklich wollen: Fahrrad Fahren!

 

Es war super: Die neuen Fahrräder surren vor sich hin, die Solaranlage, Nabendynamo-Systeme und Navigationssystem funktionieren, wir haben perfekte Kleidung und Taschen.

 

 

 

Die erste Etappe führte uns erst mal am  Marmara Meer entlang zu einem kleinen Naturpark am Rande von Istanbul (trotzdem 86 KM von unserem Wohnort im Zentrum entfernt), wo wir campen konnten und es auch ein paar Kletterrouten gibt. Dort haben wir unsere erste Nacht im Zelt verbracht,.

 

 

 

Philip 04.05.2014

 

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So

27

Apr

2014

Anreise: Belgrad - Plovdiv

Und weiter gings zum Trampen auf die Straße. Wir haben uns jetzt in 2 Teams aufgeteilt, damit wir besser mitgenommen werden können. Getrennt sind wir also aus der Stadt rausgefahren, um uns dann mitten auf der Autobahn zwischen Belgrad und Sofia wieder zu treffen:

 

Anja und ich wurden von einem türkischen Trucker mitgenommen, der uns gleich sein Bett zur Verfügung gestellt hat und uns zum Essen in seine „mobile LKW Küche“ eingeladen hat. Wir waren also seit zwei Stunden unterwegs, als wir auf einmal Janek und Milan erblickten, die mitten auf der Autobahn, fernab von Auffahrten oder Mautstellen, gelaufen sind. Sie wurden dort von einem leeren Reisebus rausgelassen, in dem sie zuvor von Fahrer und Freunden (von denen zwei Stück Milan hießen) mit selbstgebrannten Rakija verköstigt wurden.

 

Unser Trucker fuhr zusammen mit einem Kollegen, dem er erzählt hatte, dass er Tramper mitgenommen hat. Dieser Kollege hatte also noch Platz in seinem Truck und hat Janek und Milan dann sofort mitgenommen, als er erfuhr, dass das unsere Freunde sind.

 

Deswegen sind wir also mehr oder weniger zusammen weiter nach Plovdiv gefahren, wo wir mitten in der Nacht ankamen. Wir hätten nicht erwartet, noch an dem Tag dort anzukommen, weil das doch ein ganzes Stück ist. Aber unsere Trucker hatten einfach ihre Fahrtenzähler und Geschwindigkeitsbegrenzung rausgeschraubt...

 

 

Plovdiv ist super und hat überall in der Stadt verteilt antike römische Ruinen zu bieten. Und es gibt mitten in der Stadt Felsen zum Klettern! Leider regnet es mal wieder, aber wir haben ja gerade ein Dach über dem Kopf, weil wir bei einer Freundin wohnen.

 

 Philip - Plovdiv, 26.04.2014

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Mi

23

Apr

2014

Anreise: Ljubljana - Belgrad

Die Weiterreise von Ljubljana nach Zagreb am Ostersonntag war mal wieder bei Regen. Nach zwei Stunden am Straßenrand hat uns dann ein sehr netter Trucker mitgenommen. Kurz vor der slowensichen Kleinstadt Novo Mesto an der kroatischen Grenze, hat er uns dann an einer Tankstelle rausgelassen. Auch dort war eher wenig Verkehr und wenn dann oft osterlich vollbepackte Autos. Schließlich haben wir aber ein wirklich nettes Paar gefunden, die bereit waren uns nach Zagreb mitzunehmen. Allerdings hatten sie noch eine Verabredung mit Freunden in Novo Mesto. Also haben wir uns spontan entschlossen, dieser Stadt auch noch einen Besuch abzustatten. Während der 3 Stunden dort haben wir uns die Stadt angeschaut und in einem sowohl modernen als auch antiken Cafe eine Ostertorte verspeist und den traditionellen Wein der Region, Cvicek (sprich Zwitschek), probiert. Ein lausiger Wein, der uns jedoch schnell "bezwitschekt" hat.

In Zagreb sind wir dann leider erst spät angekommen und schon früh am nächsten Morgen wieder gegangen, da es zu unserem nächstes Ziel, Sarajevo in Bosnien-Herzegowina, relativ weit war. Schon bie Grenzübertritt haben die Beamten uns prophezeit, dass niemand uns mitnehemen würde. 3 oder 4 Stunden später standen wir tatsächlich immer noch da. Ein sehr engagierter Ladenbesitzer wollte uns dann helfen einen Bus abzufangen, doch auch das war nicht erfolgreich. Um so mehr haben wir uns dann gefreut, dass Mladen, ein bosnischer Österreicher, uns mit nach Doboj nehmen wollte, wo wir zumindest einen Bus hätten nehmen können. Er hat uns dann spontan zu sich auf sein Landhaus eingeladen. Das Häuschen war mitten in der Natur auf einem Berg und man hatte dort einen genialen Ausblick auf das Umland. Wir haben dort einen sehr gemütlichen Abend verbracht und unsere Plänen geändert. Sarajevo ist verkehrstechnisch so schlecht angebunden, dass wir uns entschlossen haben, doch nicht dorthin, sondern nach Belgrad zu fahren. Denn durch Belgrad fährt alles, was in den Südosten Europas will.

Am nächsten Morgen ist dann auch Philip in Doboj angekommen. Zusammen sind wir nach Belgrad mit dem Bus gefahren. Hier sind wir nun seit gestern Abend und lassen uns treiben.

Anja - Belgrad, 23.04.2014, 19.30

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Sa

19

Apr

2014

Anreise: München - Ljubljana

Nach einem sehr gemütlichen Frühstück bei Milans Schwester und einem sehr schleppenden Start bei Kälte und Regen, haben wir es gestern Abend dann nach Ljubljana geschafft. Vielen Dank an alle, die uns dabei geholfen haben!

Die slowenische Hauptstadt hat uns mit ihrem Charme bereits eingefangen und wir bleiben hier bis morgen. Das Zentrum erinnert mich ein bisschen an Konstanz. Die vollkommen intakte und sauberer Altstadt liegt an einem gemütlichen Flüsschen, an dessen Ufer sich eine Bar an die andere reiht. Auch die Größe der Stadt ist sehr überschaubar. Trotzdem scheint es hier kein bisschen eingeschlafen. Eine ehemalige Kaserne beheimatet nun unzählige Bars, Klubs und Kunst. Dort haben wir gestern Abend schon slowenisches Bier und slowensiche live-Rockmusik kennen gelernt. Auch Straßenmusik scheint hier üblich zu sein. Und der Veggi-Kebap in verschiedenen Variationen lässt unsere Öko-Herzen höher schlagen.

Anja - Ljubljana, 19.04.2014, 16.00

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Do

17

Apr

2014

Anreise: Konstanz-München

Heute ging es nun endlich los: Die erste Etappe der Anreise von Konstanz nach Instanbul verging mit super netten Fahrer wie im Flug. Vielen Dank an dieser Stelle an Pia, den Neuseelandreisenden und Steffen fürs mitnehmen! Janek wird uns bis Istanbul begleiten und Philip in Sarajevo dazu stoßen.
Von der wunderbaren Abschiedsparty erholt, gut gestärkt und herzlich von meiner Schwester Nora und Carsten empfangen lassen wir jetzt diesen ersten Abend gemütlich ausklingen und freuen uns schon mächtig auf Ljubljana!

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Di

08

Apr

2014

Der Aufbruch naht...

Bald ist es soweit: Am 17.04.2014 geht's los! Per Anhalter wollen wir bis spätestens 27. April nach Istanbul fahren. Dort holen wir unsere Fahrräder ab, die von der Familie eines Freundes, Benni, mitgenommen werden. An dieser Stelle ein großes Dankeschön!
Wir werden dann ein paar Tage in der türksichen Metropole verbringen, um alte Freunde wiederzusehen, letzte Vorbereitungen zu treffen und die Stadt anzuschauen, bis wir uns am 1.Mai in die Sättel schwingen werden.
Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle auch an die vielen Untestützer, ohne die wir nicht mit einer so hochwertigen Ausrüstung aufbrechen könnten. Ob Räder, Solarequipment, Dynamoladegeräte, Kleidung, Zelte, Isomatten, Kocher uvm. sind wir jetzt extrem hochwertig ausgestattet.
Wir freuen uns natürlich schon riesig nächste Woche aufzubrechen und halten auf dem Laufenden!

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Do

06

Feb

2014

Re-Cycling-Eurasia Website

Es gibt natürlich noch nicht viel Interessantes zu erzählen, aber eine wichtige Neuigkeit gibt es doch: Wie ihr seht ist unsere Seite jetzt online! Hier könnt ihr uns auch gerne Kommentare, Meinungen und Ideen zukommen lassen!

In den nächsten Tagen werden wir, neben Studium und Arbeit, Kontakt zu verschiedenen Medien und Sponsoren aufnehmen. Natürlich werden wir euch darüber auf dem Laufenden halten!

Wir freuen uns schon riesig darauf Mitte April nach Istanbul aufzubrechen (ohne Flugzeug) von wo aus wir dann am 1.Mai unsere Reise mit dem Fahrrad beginnen werden.

 

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Fr

26

Sep

2014

Wir sind wieder da!

Nach einer Mittagspause in Wien, ging es am Donauradweg weiter bis nach Linz. Und von dort aus über München und das Allgäu an den Bodensee.

Wir haben uns riesig gefreut in Bregenz den See wieder zu erblicken und vor allem uns abends darin zu baden. Es war zwar schon etwas kühl, aber danach waren wir herrlich sauber!

Unsere letzte nacht haben wir in Rohrschach am Seeufer verbracht, wo wir dann um halb 12 Uhr nachts vom schweizer Ordnungsamt aus dem Tiefschlaf gerissen und aufgefordert wurden zusammenzupacken und woanders zu nächtigen.

Wildcampen ist am gesamten Bodenseeufer nicht erwünscht: Auch nicht für eine Nacht.

Das war sehr ernüchternd, haben wir doch 5 Monate lang immer ein Plätzchen gefunden, wo wir willkommen waren.

Am Mittag den 20.09. war es dann soweit: Wir waren wieder in Konstanz!

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diese Reise machen konnten und gleichzeitig freuen wir uns wieder in der Heimat zu sein und genießen den Komfort von Bett und Dusche.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns auf dieser Tour unterstützt und begleitet haben. Es war großartig!

 

Anja - Müllheim, 26.09.2014

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Di

16

Sep

2014

Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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Mi

03

Sep

2014

Ukraine, Moldawien und Rumänien

Nach 3 Tagen Schifffahrt und Sträflingskost (Gut, ein paar Sachen waren in Ordnung, das Frühstück zum Beispiel) sind wir endlich in der Ukraine angekommen. In Odessa sind wir bei couchsurfern untergekommen, die uns auch gleich die Stadt gezeigt haben. Odessa ist super schön! Überall herrscht Urlaubsgefühl, in der Fußgängerzone sind Straßenmusiker, Essensstände und vor allem angenehme Temperaturen! Ja, es ist wirklich angenehm kühl geworden, so 25° vielleicht.

 

Weil uns mittlerweile so viele Leute darauf angesprochen haben: Man spürt überhaupt nicht, dass in dem Osten der Ukraine Krieg herrscht. In Odessa gab es keine Kampfhandlungen, nur vor 3 Monaten gab es eine Demonstration, die gewaltvoll endete. Unsere Gastgeberin meinte dazu nur: Das waren keine Leute aus Odessa, in Odessa sind alle glücklich, weil die Stadt am Meer liegt.

 

Einzig Plakate, die zu Spenden für die Armee aufrufen, und ein paar Panzer in der Grenzregion zu Moldawien und Transnistrien, erinnern an die politische Situation der Ukraine.

 

Uns hat es auf jeden Fall gut gefallen, wir sind viel rumgelaufen, haben Gebäude angeschaut und Kraft getankt.

 

 

 

Denn die nächsten Tage waren anstrengend. Wir haben uns mit Milans Freund Niklas in Brasov, Rumänien verabredet und mussten uns beeilen. Deshalb sind wir viel gefahren, meist etwa 120 km pro Tag. Die Landschaft hat uns hierbei aber geholfen, denn es ist relativ flach, sanft wellig vielleicht, nachdem wir von der Ukraine nach Moldawien eingereist sind. Den kleinen Staat haben wir von Ost nach West durchquert. In Moldawien sprechen die Menschen eine dem rumänischen sehr ähnliche Sprache, aber russisch wird auch noch verstanden.

 

 

 

Nach nur 3 Tagen in Moldawien sind wir dann nach Rumänien und damit zurück in die EU eingereist!

 

Die EU hat uns aber an dieser Grenze eher etwas verschlafen und alles andere als modern empfangen. Der Osten von Rumänien ist sehr ländlich geprägt und in manchen Teilen sind wir mehr Pferdekutschen als Autos begegnet. Das hat uns sehr gefallen, der Zustand der Straßen aber eher weniger. Manchmal fanden wir uns auf einem Feldweg wieder.

 

Wir haben es aber dann halbwegs pünktlich nach Brasov geschafft, wo wir Niklas samt Auto, Fahrrad und Hund getroffen haben.

 

 

 

Dort haben wir uns für einige Tage aufgeteilt. Milan und Niklas verbringen einige Zeit in der Nähe von Brasov und fahren dann mit dem Auto nach Budapest, von wo aus Milan auf dem Donauradweg nach München fährt.

 

 

 

Anja und Ich sind für ein paar Tage in den Karpathen Klettern gegangen, was wunderschön war.  Jetzt fahren wir durch Transsilvanien mit dem Fahrrad nach Budapest und von da auch auf den Donauradweg.

 

 

 

Am 19. September (so weit man das planen kann) treffen wir uns dann in München wieder und fahren zusammen heim.

 

 

 

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Do

28

Aug

2014

Georgien

 

Nach einigen letzten Kilometern entlang des Debed und vorbei an Stätten hinreißender Industrieromantik ging es dann auf direktem Wege nach Tiflis.

 

 

Dort ging es ins Travel House, über das ich ein paar Worte verlieren muss. Ins Leben gerufen von TheTravelClub.org, einem serbischen Forum für Reisende, wurden nun zum dritten mal durch Crowdfunding spenden gesammelt, um für 2 Monate ein Appartement zu mieten, in dem Reisende gegen eine kleine Spende für Strom und Wasser willkommen geheißen werden. In einem großen bunten Matratzenlager kommen so viele gleichgesinnte zusammen und teilen beim Kochen, Musik machen und feiern gehen Rezepte, Erfahrungen und das ein oder andere Bier.

 

 

Für Philip und Anja ging es nach einer Nacht weiter in die Berge nach Kazbegi, mich hat es für ein paar Tage in dem neuen zu Hause gehalten um zu versuchen eine Schiffsreise nach Boston zu ergatttern und in Tiflis einzutauchen.

 

 

Tiflis hat mich schnell begeistert. Die Stadt war lebendig und doch sehr entspannt. Es gab eine bunte Mischung aus modernen und fein restaurierten sowie alten, verwinkelten Gebäuden. Viele Orte zum entspannen, Kaffee trinken, Wein probieren oder den Blick über die Stadt schweifen lassen. Nachts gab es ein großes angebot an Theater, Konzerten und viele Bars und Clubs.

 

Außerdem gab es ähnlich wie im Gezi-Park, nur ein kleines bisschen kleiner, ein Camp von Einheimischen und Reisenden, mit dem gegen die Bebauung der Städtischen Grünflächen durch einen Hotellandschaft protestiert wurde. Es war ein sehr gastfreundlicher und entspannter Haufen, jeder war willkommen sein Zelt aufzustellen und es wurde alles geteilt. Auch Erfahrungen, und so wurde aus dem kurzen Besuch ein langer, sehr schöner Abend.

 

 

Weiteres Highlight von Tiflis ist laut vielen Berichten und Reiseführern der Besuch eines der vielen Schwefelbäder. Um eine möglichst authentische Erfahrung zu machen entschied ich mich für das konventionelle öffentliche und eine echte Erfahrung wurde es auch. Männer und Frauen besuchen die öffentlichen Bäder getrennt und unbekleidet. Und so ging es für mich rein in das Abenteuer Badehaus, das aus vielen Duschen, einer Sauna und dem Schwefelbad selbst bestand. Nicht in Reiseführern stand, dass das Orbeliani Badehaus ein inoffizieller Treffpunkt für homosexuelle ist und die Annäherungsversuche etwa so zurückhaltend sind wie Vodkaangebote in Armenien. Der Besuch war also kurz und endete in einer Flucht. Es war aber zumindest im Nachhinein sehr amüsant, es hat mich gefreut, dass es in einer sonst für homosexuelle eher weniger offen wirkenden Gesellschaft Orte wie diese gibt und es wird mir sicher lebhafter in Erinnerung bleiben als es ein schnöder Besuch eines konventionellen Sulfurbads geblieben wäre.

 

 

 

Zwischendrin ging es noch für einen Abstecher zu Philip und Anja in die Berge nach Kazbegi, wo wir gemeinsam hoch zum Gletscher des Kazbeg stiegen und einen sehr entspannten und erfrischenden Tag oben in den Bergen verbrachten.

 

 

Nach Tiflis haben wir drei uns dann nördlich von Tiflis wieder getroffen und haben die wunderschöne Fahrt Richtung Poti angetreteten, wo unsere Fähre nach Odessa abfuhr. Die Fahrt ging vorwiegend über kleine Straßen und ländliche Gebiete, vorbei an vielen schön verzierten, kleinen Landhäuschen. Nach zwei nächten am Strand vor Poti freuten wir uns dann schon richtig auf die Fähre, Odessa ich natürlich schon sehr auf das dazustoßen von Niklas, einem alten Schulfreund, in Rumänien. Und so ging es mit durchgehend knapp 19 Km/h in ca. 55 Stunden vorbei an Sevastopol in das wunderbar sommerliche Odessa.

 

Milan - Schwarzes Meer, in der naehe von Sevastopol - 18.08.2014, 22.30 Uhr

 

Sa

16

Aug

2014

Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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Fr

26

Sep

2014

Wir sind wieder da!

Nach einer Mittagspause in Wien, ging es am Donauradweg weiter bis nach Linz. Und von dort aus über München und das Allgäu an den Bodensee.

Wir haben uns riesig gefreut in Bregenz den See wieder zu erblicken und vor allem uns abends darin zu baden. Es war zwar schon etwas kühl, aber danach waren wir herrlich sauber!

Unsere letzte nacht haben wir in Rohrschach am Seeufer verbracht, wo wir dann um halb 12 Uhr nachts vom schweizer Ordnungsamt aus dem Tiefschlaf gerissen und aufgefordert wurden zusammenzupacken und woanders zu nächtigen.

Wildcampen ist am gesamten Bodenseeufer nicht erwünscht: Auch nicht für eine Nacht.

Das war sehr ernüchternd, haben wir doch 5 Monate lang immer ein Plätzchen gefunden, wo wir willkommen waren.

Am Mittag den 20.09. war es dann soweit: Wir waren wieder in Konstanz!

Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diese Reise machen konnten und gleichzeitig freuen wir uns wieder in der Heimat zu sein und genießen den Komfort von Bett und Dusche.

Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns auf dieser Tour unterstützt und begleitet haben. Es war großartig!

 

Anja - Müllheim, 26.09.2014

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Di

16

Sep

2014

Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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Mi

03

Sep

2014

Ukraine, Moldawien und Rumänien

Nach 3 Tagen Schifffahrt und Sträflingskost (Gut, ein paar Sachen waren in Ordnung, das Frühstück zum Beispiel) sind wir endlich in der Ukraine angekommen. In Odessa sind wir bei couchsurfern untergekommen, die uns auch gleich die Stadt gezeigt haben. Odessa ist super schön! Überall herrscht Urlaubsgefühl, in der Fußgängerzone sind Straßenmusiker, Essensstände und vor allem angenehme Temperaturen! Ja, es ist wirklich angenehm kühl geworden, so 25° vielleicht.

 

Weil uns mittlerweile so viele Leute darauf angesprochen haben: Man spürt überhaupt nicht, dass in dem Osten der Ukraine Krieg herrscht. In Odessa gab es keine Kampfhandlungen, nur vor 3 Monaten gab es eine Demonstration, die gewaltvoll endete. Unsere Gastgeberin meinte dazu nur: Das waren keine Leute aus Odessa, in Odessa sind alle glücklich, weil die Stadt am Meer liegt.

 

Einzig Plakate, die zu Spenden für die Armee aufrufen, und ein paar Panzer in der Grenzregion zu Moldawien und Transnistrien, erinnern an die politische Situation der Ukraine.

 

Uns hat es auf jeden Fall gut gefallen, wir sind viel rumgelaufen, haben Gebäude angeschaut und Kraft getankt.

 

 

 

Denn die nächsten Tage waren anstrengend. Wir haben uns mit Milans Freund Niklas in Brasov, Rumänien verabredet und mussten uns beeilen. Deshalb sind wir viel gefahren, meist etwa 120 km pro Tag. Die Landschaft hat uns hierbei aber geholfen, denn es ist relativ flach, sanft wellig vielleicht, nachdem wir von der Ukraine nach Moldawien eingereist sind. Den kleinen Staat haben wir von Ost nach West durchquert. In Moldawien sprechen die Menschen eine dem rumänischen sehr ähnliche Sprache, aber russisch wird auch noch verstanden.

 

 

 

Nach nur 3 Tagen in Moldawien sind wir dann nach Rumänien und damit zurück in die EU eingereist!

 

Die EU hat uns aber an dieser Grenze eher etwas verschlafen und alles andere als modern empfangen. Der Osten von Rumänien ist sehr ländlich geprägt und in manchen Teilen sind wir mehr Pferdekutschen als Autos begegnet. Das hat uns sehr gefallen, der Zustand der Straßen aber eher weniger. Manchmal fanden wir uns auf einem Feldweg wieder.

 

Wir haben es aber dann halbwegs pünktlich nach Brasov geschafft, wo wir Niklas samt Auto, Fahrrad und Hund getroffen haben.

 

 

 

Dort haben wir uns für einige Tage aufgeteilt. Milan und Niklas verbringen einige Zeit in der Nähe von Brasov und fahren dann mit dem Auto nach Budapest, von wo aus Milan auf dem Donauradweg nach München fährt.

 

 

 

Anja und Ich sind für ein paar Tage in den Karpathen Klettern gegangen, was wunderschön war.  Jetzt fahren wir durch Transsilvanien mit dem Fahrrad nach Budapest und von da auch auf den Donauradweg.

 

 

 

Am 19. September (so weit man das planen kann) treffen wir uns dann in München wieder und fahren zusammen heim.

 

 

 

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Do

28

Aug

2014

Georgien

 

Nach einigen letzten Kilometern entlang des Debed und vorbei an Stätten hinreißender Industrieromantik ging es dann auf direktem Wege nach Tiflis.

 

 

Dort ging es ins Travel House, über das ich ein paar Worte verlieren muss. Ins Leben gerufen von TheTravelClub.org, einem serbischen Forum für Reisende, wurden nun zum dritten mal durch Crowdfunding spenden gesammelt, um für 2 Monate ein Appartement zu mieten, in dem Reisende gegen eine kleine Spende für Strom und Wasser willkommen geheißen werden. In einem großen bunten Matratzenlager kommen so viele gleichgesinnte zusammen und teilen beim Kochen, Musik machen und feiern gehen Rezepte, Erfahrungen und das ein oder andere Bier.

 

 

Für Philip und Anja ging es nach einer Nacht weiter in die Berge nach Kazbegi, mich hat es für ein paar Tage in dem neuen zu Hause gehalten um zu versuchen eine Schiffsreise nach Boston zu ergatttern und in Tiflis einzutauchen.

 

 

Tiflis hat mich schnell begeistert. Die Stadt war lebendig und doch sehr entspannt. Es gab eine bunte Mischung aus modernen und fein restaurierten sowie alten, verwinkelten Gebäuden. Viele Orte zum entspannen, Kaffee trinken, Wein probieren oder den Blick über die Stadt schweifen lassen. Nachts gab es ein großes angebot an Theater, Konzerten und viele Bars und Clubs.

 

Außerdem gab es ähnlich wie im Gezi-Park, nur ein kleines bisschen kleiner, ein Camp von Einheimischen und Reisenden, mit dem gegen die Bebauung der Städtischen Grünflächen durch einen Hotellandschaft protestiert wurde. Es war ein sehr gastfreundlicher und entspannter Haufen, jeder war willkommen sein Zelt aufzustellen und es wurde alles geteilt. Auch Erfahrungen, und so wurde aus dem kurzen Besuch ein langer, sehr schöner Abend.

 

 

Weiteres Highlight von Tiflis ist laut vielen Berichten und Reiseführern der Besuch eines der vielen Schwefelbäder. Um eine möglichst authentische Erfahrung zu machen entschied ich mich für das konventionelle öffentliche und eine echte Erfahrung wurde es auch. Männer und Frauen besuchen die öffentlichen Bäder getrennt und unbekleidet. Und so ging es für mich rein in das Abenteuer Badehaus, das aus vielen Duschen, einer Sauna und dem Schwefelbad selbst bestand. Nicht in Reiseführern stand, dass das Orbeliani Badehaus ein inoffizieller Treffpunkt für homosexuelle ist und die Annäherungsversuche etwa so zurückhaltend sind wie Vodkaangebote in Armenien. Der Besuch war also kurz und endete in einer Flucht. Es war aber zumindest im Nachhinein sehr amüsant, es hat mich gefreut, dass es in einer sonst für homosexuelle eher weniger offen wirkenden Gesellschaft Orte wie diese gibt und es wird mir sicher lebhafter in Erinnerung bleiben als es ein schnöder Besuch eines konventionellen Sulfurbads geblieben wäre.

 

 

 

Zwischendrin ging es noch für einen Abstecher zu Philip und Anja in die Berge nach Kazbegi, wo wir gemeinsam hoch zum Gletscher des Kazbeg stiegen und einen sehr entspannten und erfrischenden Tag oben in den Bergen verbrachten.

 

 

Nach Tiflis haben wir drei uns dann nördlich von Tiflis wieder getroffen und haben die wunderschöne Fahrt Richtung Poti angetreteten, wo unsere Fähre nach Odessa abfuhr. Die Fahrt ging vorwiegend über kleine Straßen und ländliche Gebiete, vorbei an vielen schön verzierten, kleinen Landhäuschen. Nach zwei nächten am Strand vor Poti freuten wir uns dann schon richtig auf die Fähre, Odessa ich natürlich schon sehr auf das dazustoßen von Niklas, einem alten Schulfreund, in Rumänien. Und so ging es mit durchgehend knapp 19 Km/h in ca. 55 Stunden vorbei an Sevastopol in das wunderbar sommerliche Odessa.

 

Milan - Schwarzes Meer, in der naehe von Sevastopol - 18.08.2014, 22.30 Uhr

 

Sa

16

Aug

2014

Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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