Brasov - Bratislava

Nach einigen Tagen in der Natur in der Nähe von Brasov ging es für Philip und mich mit dem Fahrrad weiter nach Sighishoara. Diese kleine Stadt, übrigens UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Geburtsstadt Draculas. Mit ihren kleinen, verwinkelten Gässchen, dem uralten Stadttor und der Burg, sowie dem allgegenwärtigen Kopfsteinpflaster kann man sich mit ein bisschen Fantasie gut in jede Schauergeschichte reinversetzen. Doch bei Sonnenschein ist es vor allem gemütlich und lädt zum flanieren ein.

 

 

Da sich bei Philip eine Kniesehne entzündet hat, haben wir dort 3 Tage Fahrpause gemacht. Das war dann schon fast ein bisschen zu lang, denn die Stadt ist wirklich sehr klein und abgesehen von der wirklich schönen Altstadt, der Burg und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Immerhin hat die Pause zur erwünschten Besserung geführt und wir konnten danach einigermaßen gut weiterfahren.

 

 

Was uns überrascht hat, war herauszufinden, dass im Mittelalter die Sachsen in großen Teilen Rumäniens (Transylvaniens) ihr Unwesen getrieben haben und viel von der deutschen Kultur und Sprache dort gelassen haben. So hieß Sighishoara früher Schäßburg und auch Brasov ist noch unter dem Namen Kronstadt bekannt. In Sighishoara z.B. konnten wir ein ehemaliges deutsches Gymnasium begutachten und auch die medizinischen Werke in der kleinen Apotheken-Ausstellung in der Schäßburg waren auf Deutsch verfasst.

 

Auch die Architektur der Dörfer, durch die wir in Rumänien fuhren hat uns wieder stark an unsere Heimat erinnert.

 

 

Schritt für Schritt können wir an vielen kleinen Dingen spüren, dass wir der Heimat näher kommen. Zum Beispiel gibt es überall wieder deutsche Supermärkte. Auch das Wetter und die Landschaft erinnern uns an Deutschland – nur ist die Natur wilder, unberührter. Naja und in Deutschland sieht man selten Pferdekarren auf den Straßen und auch der Straßenbelag ist in Deutschland in der Regel deutlich besser. Und auf den ersten Fahrradweg sind wir erst wenige Kilometer vor der ungarischen Grenze gestoßen. Und doch, können wir deutlich spüren, dass wir wieder in Europa sind.

 

 

Alles ist hier ein bisschen gemäßigter. Die Karpaten kommen uns kaum wie Berge vor, und die Sonne verbrennt einen nicht auf der Stelle. Konnten wir in der Türkei z.B. nur ca. 85km pro Tag zurücklegen, sind es hier 120-130km.

 

 

Doch in Ungarn haben wir dann noch einmal kennengelernt, was es bedeutet, wenn es richtig flach ist. Bis Budapest war die größte Erhebung wohl eine Brücke über Eisenbahnschienen oder die Autobahn.

 

In Budapest selbst haben wir nur eine Mittagspause verbracht, da wir die Stadt schon bei früheren Gelegenheiten erkundet haben und dieses Mal gerne ein bisschen mehr Zeit in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, verbringen möchten.

 

 

Dorthin geht es allerdings im Dauerregen. Mehr schwimmend, als fahrend. Weil alles durch und durch nass war, haben wir am letzten Abend auch keine Lust mehr zu zelten und fsind die letzten 50km einfach durch die Nacht gefahren. Erst waren wir skeptisch, ob das wohl die richtige Entschiedung war, da wir vorher fast nie im Dunkeln gefahren sind und auch an dem tag schon 130km gefahren waren. Doch ging alles gut und die Mühe hat sich gelohnt! Wir waren unheimlich froh, als wir kurz vor Mitternacht in einem Hostel ankamen, wo wir warm duschen und in ein trockenes Bett schlüpfen konnten.

 

 

Ausgeruht ging es dann am nächsten Tag los, die Stadt zu erkunden. Und was wir vorfanden gefiel uns sehr gut und machte Lust auf mehr. Die Slowaken scheinen ein sehr nettes, entspanntes Volk zu sein, das gerne klettert und gut kocht! Und sie scheinen Humor und einen ausgeprägten Sinn für Unkonventionelles zu besitzen. Auch die Altstadt von Bratislava ist sehr schön. War es doch zeitweise die Hauptstadt des österreich-ungarischen Reiches.

 

 

So haben wir es uns noch einmal gut gehen lassen und Kraft getankt für die letzte Etappe nach Hause.

 

Anja - 15.09.2014, Linz, Österreich

 

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