Armenien

Noch an der Grenze vom Iran nch Armenien gab es erst mal einen kleinen Striptease (auf armenischer Seite natürlich). Kopftuch, die langärmelige Tunika und die langen Hosen wurden eingetauscht gegen Shorts und Trikot. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

 

In der nahegelegenen Kleinstadt Meghri wurden die wiedererlangten Freiheiten dann auch gleich mit einem Bier begossen.  Aber nur 1 oder 2, schließlich mussten wir ja noch einen Zeltplatz suchen.

 

Doch schon am nächsten Abend durften wir unserer Trinkfestigkeit unter Beweis stellen: Und haben kläglich versagt. Kurz hinter der Mienenstadt Kajaran wurden wir von einigen Jungs, ein bisschen älter als wir, von der Straße gewunken und zum Grillen eingeladen. Wir waren neugierig und wollten eigentlich nur ein kleines Schwätzchen halten, doch trotz aller Proteste (wir hatten uns Minuten zuvor in einem Restaurant die Bäuche vollgeschalgen) standen sogleich Teller voll mit Essen vor uns und wir hatten den ersten Vodka in der Hand.  So aßen wir und tranken und wurden immer betrunkener. Der Abend endete lustig, doch der nächste Morgen begann mit einem furchtbaren Kater! Unser Zelt hatten wir dirket an der öffentlichen Grillstelle aufgesschlagen und da wir den kompletten nächsten Tag nicht weiterfahren konnten machten wir schnell erneut Bekanntschaft mit der armenischen Gastfreundschaft. Auch diesmal wurden wir von der Männerrunde einer Großfamilie erst freundlich Herangewunken, dann zum Essen animiert und aufgefordert Vodka zu trinken. Dass wir diesen nicht annehmen wollten, ist auf großes Unverständnis gestoßen und wir haben das Gefühl bekommen unsere Gastgeber damit sogar ernsthaft beleidigt zu haben. (Leider gab es keine gemeinsame Sprache, was alles ein bisschen komlizierter machte.) Auch auf der weiteren Reise hatten wir immer wieder solche Begegnungen (inklusive Sprachbarrien. Hier ist die vorherrschende Fremdsprache ganz klar Russsisch und darin sind wir leider nicht so bewandert. Von Armenisch ganz zu Schweigen...) Es war einerseits schön überall eingeladen zu werden und andererseits schade, weil wir oft nicht annehemen konnten, ohne auch gleich Vodka trinken zu müssen. Da wir Letzteres nicht wollten, mussten wir die Leute leider oft enttäuscht zurücklassen. Im Vergleich mit den muslimischen Nachbarn Armeniens fiel uns auf, dass die Gastfreundschaft hier nicht minder ist, jedoch die Art und Weise der Darbietung verschiedener nicht sein könnte. Hatten wir im Iran zum Beispiel oft Bedenken, etwas anzunehmen, da das Angebot nicht ernst gemeint sein könnte und nur aus Höflichkeit gemacht sein konnte, war der Fall in Armenien klar: Wird ein Teller vor dich hingestellt, wird er mit einem Befehl serviert: Iss! Und dann wird so lange insistiert bis du es auch wirklich tust. Pefekt, wenn man gerade Hunger hat, schwierig, wenn mann satt ist.

 

Doch wir haben auch andere Armeniener kennen gelernt. Deutlich zurückhaltender, weniger Vodka-affin und trotzdem sehr hilfsbereit. Mit Zorhab und seinen Kletterfreunden aus der Hauptstadt Yerevan nämlich haben wir 2 wundervolle Tage beim Klettern im Hell's Canyon verbracht. Der Canyon liegt ca. 90km südlich von Yerevan und eignet sich auch gut zum Wandern.

 

Später hat Zorhab uns noch die Klubszene in Yerevan näher gebracht. Eine  gute Abwechselung zu unserem Fahrradalltag in der Natur. Meist zieht es uns dann doch in die Großstädte: Ein bisschen buntes Treiben, Geschäfte, Kunst, Architektur, Restaurants und Bars, Internet, eine Dusche und ein Bett und vor allem die Hoffnung englischsprechende, gleichgesinnte Einheimische zu treffen. Doch oft bekommen wir auch schnell schon wieder genug. Ich finde, für eine Stadt braucht man viel Zeit, um richtig darin einzutauchen oder man hat schnell alles gesehen. Außerdem ist es teuer. So sind wir schon nach einer Nacht in Yerevan weitergereist, obwohl es uns dort gut gefallen hat.

 

Und zurück in die Berge. Obwohl diese im Vergleich zu den Bergen südlich von Yerevan ein Klacks waren. Denn der armenische Kaukasus hat es in sich: Die erstentage nach Passieren der iranischen Grenze sind wir immer abwechselnd auf ca. 2400m hoch um dann auf 700m runter zu fahren nur um dann direkt danach wieder auf über 2000m hoch zu strampeln. Doch die Natur hat uns ausreichend entschädigt. In prachtvollem Grün erstrahlen die Meisten Hänge des Kaukaus. Zwischendrin mehr oder weniger idyllische Dörfer (je nach Sowjeteinfluss) und malerische Klöster. Reichlich Wasser in Form von Flussläufen und Trinkwasserbrunnen. Und nette kleine Straßen (wenn auch oft in schlechtem Zustand) mit relativ wenig Verkehr. Einziges Manko: Der Fahrstil lässt schon manchmal zu wünschen übrig. Vor allem da hier auch betrunken Autofahren normal zu sein scheint. Alles in allem ist Armenien aber ein hervorragendes Land zum Fahrrad fahren und der Natur sein; voraussgesetzt man hat nichts gegen Bergetappen!

 

Anja - 13.08.2014, 15.00

 

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