Manisa - Olympos

Und die Reise ging weiter. Unsere nächsten Etappen führten uns über Berge, sehr viele Berge, sogar verschiedene Berge aber dazu später mehr. In diesem Beitrag wollen wir ein bisschen von all den kleinen und großen Begegnungen und Erlebnissen berichten, einige natürlich statistisch belegbare Eindrücke niederschreiben und im nächsten dann über unsere Ziele sprechen und ob sie Ziele bleiben müssen.

Verwöhnt wie kleine Kaiser ging es nach zwei Nächten in Manisa in strahlender Sonne auf in Richtung Izmir zum nächsten Gastgeber, diesmal über warmshowers.org. Izmir ist sehr modern und lebendig. Und neben vielen jungen Leuten, einer großen Barszene und grünen Uferpromenade gab es, siehe da, sogar Fahrradstationen die rege genutzt wurden! Da wir vom Bleiben garnicht genug kriegen konnten, ging es erst nach zwei Übernachtungen mit Zwischenstopps weiter in Richtung Paradies. Erst einmal ein ehemaliges Paradies für Griechen und Römer, Ephesos, dann ein Paradies für uns, den Bafa See.
Nachdem die Zelte mit Blick auf den Bafa See standen und unser neuer Mitbewohner Meister-Esel alles für gut befunden hatte wussten wir ganz schnell: Wir sind gekommen um zu bleiben. Zumindest mal für einen sehr langen Augenblick. Die Tage am Bafa See haben uns sehr gut getan. Neben ausgiebigem Klettern, Musikmachen und Lesen konnten wir auch mal wieder mit einigen Lieben sprechen, unsere Hängematte einweihen und auf der Reise ankommen. Zudem haben wir ein inniges Verhältnis zu unseren Mitbewohnern aufgebaut. Dem Hahn und dem Esel (und nur schonmal vorweg, wir haben es nicht geschafft sie aufeinander zu setzen, in keiner Richtung). Unser guter Freund der Hahn schien tragischerweise das Augenlicht verloren zu haben. Um vier Uhr früh, während die Sonne wahrscheinlich gerade in Pakistan daran dachte über den Horizont zu spähen, hielt er es auf jeden Fall für sinnvoll direkt neben unseren Ohren zu krähen. Alle zwei Minuten, stundenlang. Da ich mich im Kampf Schlaf gegen Hahn nicht so schnell geschlagen geben wollte, flogen Steine. Ok, kleine Kieselsteine und nur gegen Blech aber er gab Ruhe. Am ersten Tag immer für zwei Stunden, am nächsten noch für eine und der Rest ist dann wohl die Geschichte vom Scheitern, Akzeptieren und einfach kampflos und zufrieden schlafen.
Nach der Abfahrt aus Bafa kamen dann erstmal einige ordentliche Fahrtage und endlich das Meer (siehe: Hands up!), wo wir erst einmal anfingen nicht für sondern gegen Bräunungsstreifen zu arbeiten.
Gezeltet wurde für gewöhnlich immer wild. Nur eine Ausnahme gab es. Nachdem sich die Sonne an einem Abend schon beinahe verabschiedet hatte beschlossen wir unsere Zelte in einem akkurat gepflanztem Waldstück aufzuschlagen. Am Eingang eines weitläufig umzäunten Geländes fanden wir sogar noch einen Pförtner, der uns natürlich erlaubte unsere Zelte vor dem Gelände aufzuschlagen. Zu unserer Verwunderung gab es praktisch keine Tiere, eine Fliege, vielleicht drei Moskitos und ein Grashüpfer waren alle, die zu finden waren. Sogar von unseren kleinen treuen Begleitern, den Ameisen, fehlte jede Spur. Morgens kam mit der Dämmerung dann die Erleuchtung: Müllwagen. Wir zelteten auf riesigen Bergen aus Müll, überdeckt mit einer Akkurat angepflanzten Schicht aus Bäumen und leichtem Gras. Amüsiert ging es also weg vom Müll und ab durch Gewächshausstädte an die Strände Antalyas. Mit türkisem Wasser, super Kletterspots, Höhlen und Klippen lässt es sich hier wunderbar aushalten. Frustriert von den zu guten Perspektiven und zu guter Bezahlung konnten wir hier zudem als deutsche Gastarbeiter Arbeit finden. Als die vielleicht ersten deutschen Gastarbeiter an einem kleinen Strand nahe Kaş verdienten wir uns mit dem Schleppen von 50 Liegestühlen unser Abendmahl und bekamen mit 1 Euro pro Stunde einen soliden Lohn.
In Olympos sind wir nun im extrem entspannten Kadirs Treehouse Hostel, gehen Klettern und Schwimmen, schauen uns Ruinen und Feuer an und erledigen so einiges an organisatorischem. Am 06.06. kriegen wir dann glücklicherweise einige Ersatzteile aus Deutschland und können mit etwas weniger Ballast in die Pedale treten. Rauf, über Antalya nach Kappadokien.

Milan – Olympos, 29.05.2014, 18.10 Uhr